Ein Palast und die Berliner Mauer in Seoul

Abgelegt unter: Sightseeing on Sonntag, Januar 22nd, 2006 by Ralf | 1 Kommentar

Es gibt Dinge, die man so nicht unbedingt erwarten würde. Zum Beispiel, dass man mitten in Seoul über ein Stück Berliner Mauer stolpert. Gut, ich bin nicht direkt darüber gestolpert, sondern ich wusste dass es dort ist…Genauer gesagt, ich wusste wo ich danach suchen muss. Mitten in Downtown Seoul, genauer gesagt an der Kreuzung von Cheonggyecheon (dem frisch restaurierten Fluss von der City-Hall bis hoch nach Dongdaemun) und der Samilro. Dort findet sich der Berliner Platz. Dort stehen 3 Segmente der Berliner Mauer, eine original Berliner Straßenlaterne und ein paar originale Parkbänke. Das ganze ist eine Spende der Stadt Berlin und steht dort seid Oktober. Wirklich witzig, wenn man Bedenkt, dass in Berlin nicht mehr viel von der Mauer zu sehen ist.

Mein eigentliches Ziel war aber der Changdeok Palast, einer der Hauptpaläste der Jeoson-Dynastie. Der Palast kann nur mit einer geführten Tour besucht werden, weshalb man etwas auf die Zeit achten sollte, um eine englische zu erwischen. Das Interessante an diesem Palast ist, dass es nicht nur der Palast selbst ist, sondern auch der Secret Garden, in dem der König sich vom regieren ablenkte. Der Palast selbst ist von der Größe und der Gestaltung her dem Gyeongbokgung sehr ähnlich. Hier gibt es jedoch auch einige Dinge zu sehen, die über die reinen Gebäude hinausgehen, z.B. die Sänften und Fahrzeuge (einen Cadillac und einen Daimler (nicht Benz, sondern die englische Marke gleichen Namens) von um 1910) des Königs.

Der Secret Garden ist ein schöner Park, der von vielen Bäumen bewachsen ist und einige wirklich sehr schöne Gebäude und Teiche bietet. So findet sich hier die Bibliothek des Königs und auch sein persönlicher Angelpavillion an einem schönen Teich mit einer Insel in der Mitte. Ein weiterer sehr interessanter Punkt in dem Park sind einige sehr alte Bäume, so z.B. ein 1000 Jahre alter Baum, der aber im absterben begriffen ist und nur noch aus einem einzigen lebendigen Ast besteht und ein 750 Jahre alter Wacholder, der in der Form sowohl einem Drachen als auch einem Affen ähnenln soll.

Auf dem Rückweg bin ich dann noch an der Jongno am Bosingak (Pavillion mit der Stadtglocke, die zum Neujahr 33x geschlagen wird, daher auch der Name Jong-no nämlich Glocken-Strasse) vorbeigegangen und den wundervoll beleuchteten Cheonggyecheon zurück zur City Hall entlangegangen.

Dabeisein ist alles - Der Olympic Park

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Letzte Woche war ich im Olympic Park, einer der Einrichtungen, die von den Olympischen Spielen von 1988 noch erhalten sind. Gleich wenn man aus der U-Bahn Station herauskommt wird man von einem schönen Platz mit dem World Peace Gate empfangen. Das World Peace Gate ist ein riesiges Tor, das künstlerische Gestaltet ist und wie der Name schon sagt dem Olympischen Frieden gewidmet ist. Innerhalb des Tors brennt ein kleines Olympisches Feuer. Sehr schön finde ich, dass das ganze Areal noch immer für den Sport genutzt wird, so wird z.B. der Platz um das World Peace Gate von Inline Skatern und Radfahrern für ihren Sport genutzt. Etwas weiter hinter dem World Peace Gate findet man das offizielle Denkmal für die Olympische Bewegung namens “Rendezvous in Seoul”. Diese Denkmal ist wirklich sehr interessant, denn es ist von einer Vielzahl von Steinen umgeben, die von einzelnen Athleten, Offiziellen und Medienleuten stammen. Die Steine der deutschen Delegation konnte ich nicht finden, da die Steine der Verwitterung übergeben wurden. Da einzige heimische was ich finden konnte war die Marmorplatte des NOK der DDR (1988 war die letzte Olympiade mit zwei deutschen Staaten) und das der ARD. Die Platte des NOK der BRD fehlt entweder oder ist schon zur Unlesbarkeit verwittert.

Weiter im Park findet man einen riesigen Skulpturen-Park mit 200 Skulpturen von internationalen Künstlern. Für jede Figur gibt es auch ein Statement des Künstlers, was er damit Ausdrücken wollte, wobei man manchmal nach der Lektüre noch ratloser vor der Skulptur steht als davor. Auch hier ist der Park fest in der Hand der Sportbegeisterten, es wimmelt nur so von Joggern und Walkern (sehr beliebt), genauso wie es noch Courts für Badminton (naja, eigentlich eher Federball) etc. gibt. Auch einige Sportstätten sind noch zu sehen, so z.B. das Velodrom, die Gewichtheberhalle und die Schwimmhalle.

Aber hier gibt es nicht nur Sportstätten, sondern auch historische Zeugnisse. Es wurde eine antike Wallfestung aus der Baekche-Zeit (so etwa 20 v.Chr. bis etwa 500 n.Chr.) entdeckt. Sie ist ziemlich groß mit einem Umfang von etwa 2.5km und man kann ihr entlang gehen, was ich auchgemacht habe. Es gibt auch ein Museum mit Fundstücken und eine Grabungsstätte mit einem ausgegrabenen Haus (oder vielmehr was davon übrig ist) aus der Zeit.

Klein-Amerika und das War Memorial

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Sonntag, Januar 22nd, 2006 by Ralf | Comments Off

Der letzte Blog-Eintrag ist schon eine ganze Weile her, aber ich war seither nicht nur zu Hause und habe Däumchen gedreht. Deshalb versuche ich jetzt ein wenig aufzuarbeiten, was ich seither gesehen und erlebt habe.

Vor zwei Wochen war ich in Iteawon. Itaewon ist das Viertel von Seoul, wo man hingeht, wenn man sich nicht so fühlen möchte, als ob man in Korea ist. Dort gibt es allerlei internationale Restaurants und Bars, aber das Viertel ist hauptsächlich in Amerikanischer Hand. Das liegt vermutlich daran, dass die Yongsan Base der US-Army nur einen Steinwurf weit entfernt ist. Ich habe Itaewon tagsüber besucht, daist von dem regen Treiben, dass Abends hier abgehen soll nicht so viel zu spüren gewesen. Es gibt eine Menge von Antiquitätenläden und kleinen Ständen, die Souvenirs an die Touristen verkaufen wollen. Ganz witzig ist dort, dass man auch Läden für echte texanische Cowboystiefel etc. finden kann, was man ja so in Seoul nicht unbedingt erwarten würde.

Nachdem ich so die Itaewon entlang geschlendert war habe ich mich in Richtung des War Memorial Museums aufgemacht. Das ist die Gedenkstätte für den Korea-Krieg. Meine Eindrücke dort mögen jetzt ziemlich deutsch sein und ein Koreaner mag das anders sehen, aber sie spiegeln meine Meinung wieder. Gleich am Tor wird man von einem relativ großen Soldatenstandbild empfangen, das heldenhafte Krieger in der Schlacht zeigt, vielleicht nicht ganz das was man von einem Museum erwarten würde, das dem Koreakrieg gedenkt (wie gesagt, nur mein Eindruck). Dahinter findet man dann ein riesiges Feld mit allerlei Kriegsgerät, vor allem Kampfflugzeuge und Panzer, sowohl aus dem Koreakrieg als auch moderneren Datums.Ich habe mir sagen lassen, dass das angeblich die größte Sammlung solcher Dinge weltweit sei. Den Hauptteil bildet das War Memorial Museum. Meinen Eindrücken nach lässt sich das Museum in drei Teile einteilen: Einen der sich mit der (militärischen) Historie Koreas beschäftigt, einen zum Korea Krieg selbst und einen für alles danach. Der Historische Teil war sehr interessant, man konnte sehen, dass Asien was die Technologie anbelangte Europa damals wesentlich voraus war (siehe z.B. Schießpulver). Es wurden alle Epochen von der Jungsteinzeit bis zur Neuzeit beleuchtet, mit Schwerpunkt auf der Jeoson-Dynastie (wie üblich). Der Teil zum Koreakrieg war sehr faszinierend, da er wirklich sehr ausführlich auf die Abläufe und Hintergründe einging. Hier konnte ich viel lernen, das ich so noch nicht wusste. Der dritte Teil (die Zeit nach dem Koreakrieg) hat bei mir zwiespältige Eindrücke ausgelöst. Zum einen habe ich viel neues dazugelernt (z.B. wusste ich nicht, dass so viele Koreanische Soldaten in Vietnam beteiligt waren), zum anderen war es für mich etwas befremdlich, dass in einem Museum die Koreanische Armee so ausführlich beweihräuchert wurde. Es wird in epischer Breite auf alle Waffengattungen und ihre “Leistungen”eingegangen und die moderne Waffentechnik made in Korea vorgestellt. Für mich war das sehr ungewohnt, aber ich denke für die Koreaner gehört das vor dem Hintergrund der Bedrohung durch den Norden wohl irgendwie zum Selbstverständnis. Ganz witzig fand ich ja, dass es im War Memorial noch einen Saal für Wedding Ceremonies gibt, wem’s gefällt…

Alles in allem ein wirklich sehr interessanter Tag.

JJimjilbang - Sauna nonstop

Abgelegt unter: Leben in Korea on Sonntag, Januar 8th, 2006 by Ralf | 2 Comments

Nachdem ich leicht durchfroren aus Yeouido zurückgekehrt war, dachte ich, dass es endlich mal Zeit für eine weitere richtig koreanische Sache war: den Besuch eines JJimjilbang. Glücklicherweise befindet sich auf der anderen Straßenseite von unserem Appartmenthaus das Maxtown, ein ziemlich gutes JJimjilbang, wie mir gesagt wurde. Aber was ist ein JJimjilbang eigentlich? In erster Näherung ist es eine 24h Sauna, aber das wird dem, was ein JJimjilbang ist bei weitem nicht gerecht. Das ist eher ein 24h Spaß- und Entspannungsort. Es gibt dort (wie man es erwarten sollte) Schwitz- und Ruheräume, einen großen Fernseher, Internetrechner, ein Restaurant, einen Frisör, einen Kosmetiksalon und einen Schlafraum (Koreaner übernachten da anscheinend mal ganz gern, wenn sie ein bißchen zu viel Soju hatten oder so).

Der Ablauf ist folgender: Man zahlt am Eingang 6000 Won (sehr billig für das Gebotene) und bekommt dafür seine Saunasachen und kann dann solange man möchte drin bleiben. Die Schwitz- und Ruheräume sind gemischt, aber das läuft hier alles ganz züchtig ab: Jeder trägt eine knielange Short und ein hübsches graues T-Shirt, so dass keine Gefahr besteht dass es dort zu freizügig zugeht, denn ein JJimjilbang wird sehr gerne von Familien aufgesucht. Es gibt mehrere Schwitzräume, die nach Temperatur (warm und heiß) und Gestaltung (die Wand voll mit Kristallen, Lehm usw.) verschieden sind. Überall wird aber ätherisches Öl beigemischt, was die Atmospähere sehr ansprechend macht. In den Schwitzräumen wird geschwitzt (klar), gelesen, geredet, getrunken, gegessen (ganz wichtig: hartgekochte Eier!) und natürlich telefoniert (ein Koreaner gibt sein Handy nicht freiwillig weg). Zusätzlich zu den Schwitzräumen gibt es auch noch heiße Bäder, die sind aber im nach Geschlechtern getrennten Bereich und werden komplett nackt benutzt (wie wir das in Sokcho auch schon erfahren haben).

Insgesamt war das Ganze wirklich sehr erfrischend und erholsam nach einem harten Tag voll mit Sight-Seeing.

Hoch hinaus - Yeouido

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Gestern hat es mich nach Yeouido gezogen. Yeouido ist eine kleinere Insel im Hangang in Seoul und gleichzeitig das Finanzviertel der Stadt. Gleich wenn man aus der U-Bahn rauskommt findet man sich zwischen Hochhäusern wieder und nach wenigen Schritten steht man vor der Seouler Börse der Heimat des Kospi-Index. Mein eigentliches Ziel war aber das 63 Building, ein Wolkenkratzer am nordöstlichen Zipfel der Insel gelegen. Der Name rührt daher, dass das Gebäude 63 Stockwerke hat (aber dabei wurde geschummelt, davon sind nur 60 überirdisch) und misst knappe 250 Meter. Es beherbergt die Daehan Life Insurance und hat im 60. Stock eine schöne Aussichtsplattform. Bis 2002 war es da höchste Haus in Seoul, heute ist es nur noch die Nummer 3, aber immer noch das höchste Geschäftshaus, denn die beiden anderen sind Wohnhäuser. Wenn man sich dem Gebäude nähert, liegt es leicht golden glänzend vor einem, aber man sieht es wenn man von Yeouido her kommt nicht unbedingt sofort, denn es ist von ganz respektablen anderen Häusern umgeben. In weniger als 90 Sekunden brachte der Lift mich dann bis ganz nach oben. Von der Aussichtsplattform hatte man einen ganz guten Blick auf Seocho, Gangnam und bis nach Incheon im Südwesten rüber. Man sah zwar nicht ganz so weit wie vom N Seoul Tower (dazu fehlte der Berg), aber man konnte andere Gebiete sehen, die man vom Namsan aus nicht unbedingt sehen konnte.

Nachdem ich die Aussicht von dort oben genossen hatte machte ich mich auf den Weg zu meinem zweiten Ziel auf Yeouido, dem Gebäude der koreanischen Nationalversammlung, das etwa 2km vom 63 Building entfernt ist. Der Weg dorthin war sehr schön, denn er führte mich ein Stücl durch den Yeouido Park, wo ich die wärmende Sonne eine Weile genoss (der Wind war nämlich mal wieder recht kalt). Wenig später kam ich dann an der Yuido Full Gospel Church vorbei, der größten Kirchengemeinde der Welt. Der dort ansässige Pastor schart anscheinend beinahe 750.000 Gläubige um sich, aber die passen nicht alle in die Kirche, da ist “nur” für 10.000 Platz. Solche Mega-Churches sind anscheinend in Korea nicht ganz selten, denn es soll hier noch einige geben. Seither dachte ich immer, dass das ein Phänomen ist, das man hauptsächlich in den USA antreffen kann.

Nach Park und Mega-Church kam ich dann an der Nationalversammlung an. Das Gebäude ist irgendwie eine Mischung aus Kapitol und Reichstag, aber doch wieder ganz eigen. Vor dem Gebäude waren wieder die üblichen Hundertschaften Polizei am patrulieren, aber das ist hier vor Regierungsgebäuden üblich.

Unterwegs in Gangnam

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Nachdem ich mich am Neujahrstag von unserer Neujahrsfeier erholt hatte machte ich mich dann am 2. Januar auf nach Gangnam um mir das Viertel dort mal bei Tag anzuschaun, da ich seither immer nur Abends dort war. Gangnam ist das Geschäftsviertel von Seoul, aber Abends auch ein großes Vergügungsviertel. Die Geschäftsleute gehen also direkt vom Büro in die Bars, wie es aussieht :-). Gangnam zeichnet sich vor allem durch seine große Zahl an Hochhäusern aus, die hier entlang der Hauptstraße Gangnamdae-ro unde um das Viertel in dem das Coex steht verteilt sind. Zuerst bin ich dort in’s Kyobo Book Center gegangen um mir etwas Literatur zu kaufen. Das Kyobo Book Center in Gangnam ist in etwa so groß wie das am Gwangwhamun und ebenfalls in einem der Kyobo Hochhäuser (Kyobo ist eigentlich eine Versicherung) zu finden. Der Laden bietet einen ganz netten Service, man kann an der Information eine kostenlose Kundenkarte machen lassen, mit der man zwischen 10 und 20% Nachlass auf alle Bücher bekommen kann. Entlang der Hauptstraße finden sich allerlei Läden bekannter Marken, diverse Kinos und Cafés. Ganz witzig ist es, wenn man von der Hauptstraße weg in eine Seitenstraße geht, denn direkt hinter den Hochhäusern finden sich hunderte von Bars etc., dort sieht es so ähnlich aus wie in Sinchon oder Hongik. Der Kontrast, den man da innerhalb von zwanzig Metern erleben kann ist schon faszinierend.

Nachdem ich mir die Architektur entlang der Gangnamdae-ro genügend angeschaut hatte fuhr ich mit der U-Bahn zum Coex (auch in Gangnam, aber 2 oder 3km entfernt) um mich dort mal genauer umzuschaun. Hier befindet sich das World Trade Center Seoul, ein Komplex zu dem auch das Coex gehört. Die Gegend hier nennt sich Teheran Valley. Der Name ist eine Anlehnung an das Silicon Valley und rührt daher, dass dort die IT-Industrie Koreas angesiedelt ist und das Ganze sich um die Teheran-ro, eine der Hauptstraßen, abspielt. Dort finden sich auch eine Reihe von Hochhäusern, die ziemlich beeindruckend sind. Sehr witzig war auch, dass es vor der Coex Mall (einer riesigen Einkaufspassage, in der meinem Eindruck nach hauptsächlich Damen-Kleidung und Schönheitsprodukte verkauft werden) eine Outdoor Eislauffläche war. Das witzige daran war, dass die meisten Leute auf dem Eis Sturzhelme trugen, was doch etwas verwundert, wenn man die wagemutigen Koreaner beim Hiking kennt. Nachdem ich dann noch durch die Coex-Mall geschlendert bin, habe ich mich auf den Weg nach Hause gemacht, wo ich dann auch prompt von einem Virus niedergestreckt wurde.

Internationales Neujahr

Abgelegt unter: Leben in Korea on Sonntag, Januar 8th, 2006 by Ralf | Comments Off

Ich war sehr faul, was das Bloggen angeht, aber ich war sehr beschäftigt und dann hatte mich nach Neujahr auch noch ein koreanisches Virus in der Mangel… Aber ich hole nach, was seither geschehen ist.

Unser Neujahr hier in Korea war etwas anders als es vermutlich in Deutschland abgelaufen wäre. Aber das (solare) Neujahrsfest hat in Korea fast keine Bedeutung, hier zählt, wie in ganz Asien, das lunare Neujahrsfest, das dieses Jahr Ende Januar beginnen wird. Ein anderer Grund, weshalb mein Neujahr dieses Mal etwas anders war, war die Besetzung in der wir gefeiert haben. Wir sind in einer großen Gruppe aus den verschiedensten Ländern losgezogen: Da wären unsere zwei indischen Kollegen Ajit und Jay zu nennen, Natalie, eine befreundete Kanadierin mit ihren Kollegen Dave aus New York und Don irgendwo aus Kalifornien, unsere Praktikantenkollegen Marco und Tobias aus Daejon mit einem koreanischen Kollegen dabei und natürlich Michael und ich.

So sind wir dann nach Sinchon gefahren und haben uns erstmal bei einem leckeren Abendessen (Bulgogi) für die Nacht gestärkt. Anschließend sind wir in eine der hunderten von Kneipen in Sinchon gegangen und haben dort über alles mögliche gequatscht und Bierchen getrunken. Da die Kneipe etwas langweilig war, sind wir dann noch vor dem Jahreswechsel in eine andere Kneipe umgezogen, die war aber echt der Hammer, was die Größe angieng. Eine so große Kneipe hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Dort haben wir dann bei Fruchtsalat und Bier zusammen mit hunderten Koreanern den Jahreswechsel erlebt.

Nachdem wir dort noch eine Weile waren sind wir dann ab nach Hongdae (das Viertel mit den Clubs). Da es aber shcon spät war, war der Weg dhain etwas witzig. Erst wollte ein Taxifahrer von uns für die zwei oder drei Kilometer 20000 Won haben (der spinnt!), dann haben wir aber mitgekriegt, dass wohl noch ein Sonderzug der U-Bahn um 2 Uhr früh fahren sollte, also nichts wie in die U-Bahn. Der Zug fuhr auch, aber er war mehr als gerappelt voll. Das Feeling in dem Zug lässt sich wohl nur noch in Tokio zur Rush-hour nachvollziehen, wenn der Wagon von einem der Pusher auch so richtig gefüllt wurde. Zum Glück war es nur eine Station, so dass wir es alle überlebt haben ;-) In Hongdae gings dann noch ins M2 zum Abtanzen bis in den Morgen und um 6 Uhr früh machten wir uns dann auf den Heimweg.

Alles in allem mal eine etwas andere Art den Silvesterabend zu verbringen, aber auch sehr schön

Der eiskalte Gipfel

Abgelegt unter: Sightseeing on Samstag, Dezember 17th, 2005 by Ralf | Comments Off

Heute war ich auf dem Seoul Tower. Der war eine ganze Zeit geschlossen, wegen Renovierung usw. und wurde am 9.12. dann wieder eröffnet. Und weil zu einem neuen Aussehen auch ein neuer Name gehört, heißt da Ding nun “N Seoul Tower“. Das “N” steht für “new” und soll das neue symbolisieren. Es wurden wohl mehr als eine Million Euro in die Renovierung gesteckt, und wirklich alle neu gemacht. Aber erstmal der Reihe nach. Nachdem ich in Myeongdong aus dem Bus raus war, bin ich erstmal an der Myeongdong Catholic Cathedral vorbeigekommen, eine der größeren Kirchen in Seoul. War ganz witzig, denn vor der Kathedrale war eine extrem kitschige (Koreaner lieben das!) Weihnachtskrippe aufgebaut, mit allem was so dazu gehört. Anschließend habe ich mich dann an den Aufstieg zum Namsan (der aufmerksame Leser weiß mittlerweile, dass “san” immer auf einen Berg hindeutet), einen Berg mitten in Seoul, auf dem der Fernsehturm steht. Das Ganze ist vom Namsan-Park umgeben, der sich den Berg hinaufzieht und eine der grünen Lungen Seouls ist. Ich wollte unbedingt zu Fuß durch den Namsan-Park hoch, was aber keine so gute Idee war. Es ist nämlich bitterkalt geworden. Wir hatten heute -11°C in Seoul und dazu noch einen recht starken Wind, der die gefühlte Temperatur auf unter -20°C gedrückt hat, nicht witzig das. Der Weg zum Gipfel des Namsan, den ich genommen habe, war wohl nicht der Kürzeste, denn er führte um den halben Berg herum und dauerte fast eine Stunde. Total durchgefroren kam ich dann oben am Turm an.

Weil er neu eröffnet war, gibt es grade vergünstigte Eintrittpreise, so dass ich für extrem günstige 3500 Won auf die Aussichsplattform, die 130m über dem Boden liegt, fahren konnte. Das ganze dauert nur 24 Sekunden, und schon steht am in der wirklich sehr schön eingerichteten Aussichtsplattform. Und der Blick von dort entschädigte wirklich für den Weg und die Kälte. Man hatte einen wahnsinnigen Blick über ganz Seoul. Von hier oben kann man erstmal sehen, wie groß die Stadt wirklich ist, Wahnsinn. Das ganze hab ich natürlich in Bildern festgehalten, aber teilweise waren die Scheiben leicht zugefroren und auch nicht die allersaubersten, so dass die Bilder etwas unscharf sind.

Ich bin eine ganze Weile oben geblieben, wo es auch ein sehr nettes Café gibt, in dem ich mir einen großen Cappuccino gegönnt habe, der auch sehr günstig war, keine Spur von Touristenpreisen. Irgendwann habe ich mich dann wieder auf de Boden der Tatsachen begeben und hatte so gar keine Lust mehr noch länger in der Kälte rumzulaufen, also habe ich für den Weg runter die Seilbahn, die von Myeongdong zum Gipfel des Namsan führt genommen. Und dann nichts wie ab in die U-Bahn zur City-Hall um dort den nächsten Bus zu schnappen. Erstaunt musste ich dort feststellen, dass inzwischen die 2. Stufe der Weihnachtsdekoration gezündet worden sein muss, denn alles leuchtet noch heller, noch bunter und wirklich jeder Baum an den Straßen, ist nun mit Lichterketten verziert. Dummerweise war gerade Rush-Hour, so dass ich doch noch ein ganzes Weilchen auf den Bus warten musste, bei -14°C… Aber das soll ja abhärten ;-)

Weihnachtsfeier auf Koreanisch

Abgelegt unter: Leben in Korea on Samstag, Dezember 17th, 2005 by Ralf | Comments Off

Am Freitag hatten wir (d.h. alle Engineering Abteilungen von Bosch in Korea) unsere Weihnachtsfeier (heißt hier Religionsneutral “Year End Party”) in einem recht edlen Hotel in Gangnam. Der Ablauf ist etwas anders als die in Deutschland üblichen Weihnachtsfeiern, denn hier standen die Familien der Angestellten im Mittelpunkt uns fast jeder brachte seinen Partner und die Kinder sofern vorhanden zur Feier mit. Zuerst gab es einen Empfang mit Cocktails und Wein, an den sich dann eine etwas längere Rede der Geschäftsleitung anschloss, in der alle personellen Veränderungen aufgezählt wurden und die erreichten Ziele des Jahres nochmals erwähnt wurden. Dies scheint hier wie mir gesagt wurde Tradition zu sein. Im Anschluss wurde dann das Buffet (extrem viel und lecker!) eröffnet und der gemütliche Teil des Abends begann. Im Anschluss an das gemeinsame Essen gab es dann eine Zaubershow eines koreanischen Magiers, der aber sehr westliche Kunststücke vorführte (gibt es eigentlich eine spezielle asiatische Art der Show-Zauberei?). Danach hieß es dann selbstmachen und nicht nur zuschauen, denn es wurden einige Spiele gespielt. Angefangen damit, dass es darum ging in fünf Minuten den höchsten Jenga-Turm zu bauen (alles Ingenieure hier, da gab es dann schon wilde Konstruktionen), dann wurde ein Kinderpuzzle auf Zeit gelöst (da waren natürlich die Anwesenden mit kleineren Kindern stark im Vorteil). Zum Abschluss wurde Fussball-Bingo (wie normales Bingo, nur mit Fussballmanschaftsnamen statt Zahlen) gespielt, und wie bei jedem Spiel gab es auch hier Preise. Zum Abschluss gab es dann, wie es hier wohl bei Firmenfeiern üblich zu sein scheint, noch eine Verlosung und man konnte so tolle Dinge wie Reiskocher, Luftbefeuchter, Elektrogrills und Flüge nach Jeju gewinnen, leider war mir das Glück nicht hold. Und dann kam wieder was sehr koreanisches: Das Ende der Veranstaltung. Kaum ist das Programm auf der Bühne zu Ende, stehen alle auf uns verlassen beinahe fluchtartig den Raum, warum auch immer.

Da es noch relativ früh war sind Michael, Nils und ich dann noch ein bißchen ins Nachtleben von Gangnam eingetaucht, d.h. erstmal in eine nette Bar. Als wir die dann verliesen wurden wir von zwei Koreanern angesprochen, die meinten uns zu kennen. Tatsächlich arbeitet der eine der beiden mit uns im selben Büro, nur als Vertriebler. Sie wollten unbedingt, dass wir sie begleiten, was wir gerne taten. Also gings auf in das XXXX, einen kleinen Hiphop-Club (die beiden meinten, wir wären sowas wie ihre Eintrittskarte da, weil sie allein noch nie reingekommen seien). Der Club war ganz nett, recht übersichtlich aber die Musik war Ok (auch wenn ich HipHop nicht so mag). Irgendwann gegen 1 Uhr nachts hat dann den DJ der Teufel geritten und er hat Weihnachtsschnulzen (sogar das unsägliche “Last Christmas”!) aufgelegt, was die Dancefloors leerfegte. Irgendwann hat er’s wieder gerafft und sein Programm umgestellt, aber die Stimmung war irgendwie im Eimer. Um 2 Uhr mussten wir dann alle auch zum letzten Bus, was uns dann auch nicht soo schwer fiel. Alles in allem war der Abend aber wirklich schön, schade dass nicht bald wieder “Year End Party” ist ;-)

Elektronik und Tempel

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Dienstag, Dezember 13th, 2005 by Ralf | Comments Off

Nachdem ich am Samstag schon in Seoul unterwegs war zog es mich am Sonntag nochmal nach Seoul diesmal aber weniger zum Umherlaufen als mehr zum Anschauen. Ich wollte auf den Yongsan Elektronikmarkt, den wohl größten Markt für Elektronik aller Art auf der Welt. Dort sollen so etwa 7000(!) Geschäfte versammelt sein, die alle Arten von Elektronik verhökern. Also nichts wie hin. Angeblich soll es dort die billigsten Preise geben, aber das stimmt auf keinen Fall, oder zumindest nur nach exzessivem Suchen und Handeln. Die ausgezeichneten Preise dort waren allesamt eher hoch. Durch einiges Feilschen konnte ich zwar einige Preise ganz gut runterhandeln, aber richtig billig waren die Preise dann noch immer nicht. Sie waren es selbst nicht wenn man sie mit denen in Deutschland vergleicht, selbst die koreanischen Produkte waren teilweise sogar teurer als in D, was aber wohl auch mit Marketing zu tun haben kann. Aber dafür wird dort echt unglaubliches Geboten. Neben einem Kaufhaus das dem Technomart sehr ähnlich ist (nur noch mehr Stockwerke) gibt es noch eine ganze Reihe von Gebäuden in denen auch eine Vielzahl von kleinen Ständen sind, die alles was man sich so an Elektronik vorstellen kann verkaufen. Die Geäude sind teilweise durch Passagen miteinander verbunden, so dass man ganz bequem durchgehen kann. Es ist schon wirklich krass wenn man Stockwerkeweise Stände mit Handys oder Digicams sieht. Was hier wirklich der Hit zu sein scheint sind Handys (klar, die Koreaner lieben ihre Handys, fast jeder hat eines, viele sogar zwei, damit sie während sie telefonieren mit dem anderen Kurznachrichten tippen können, kein Witz, schon mehrfach so erlebt), PMPs (Personal Multimedia Player, also tragbare Videoplayer im Format eines IPod oder so) und natürlich MP3 Player. Die Händler sind allerdings teilweise etwas aufdringlich (kennt man hier sonst gar nicht so) und sprechen einen ständig an und wollen einen an ihren Stand locken. Mich als Westler vielleicht noch etwas weniger als die Einheimischen. Naja, ich hab mir dann einige Kleinigkeiten gekauft, die preislich ganz günstig waren, bei denen ich aber auch erstmal feilschen musste, was ganz witzig war, bei meinen noch etwas geringen Koreanischkenntnissen.

Zum Thema Yongsan erzählte mir Andrew dann am Montag, dass der Markt dort früher wirklich günstig war und daher seinen Ruf hat. Mittlerweile würden die Händler den Ruf aber ausnutzen und recht hohe Preise fordern und sich teilweise auch absprechen. Wirklich günstige Preise soll es wohl nur noch im Internet geben… oder wenn man die Internetpreise ausdruckt und die Händler vor Ort dann entsprechend runterhandelt.

Nachdem ich mich dem Technikrausch hingegeben hatte bin ich wieder in die U-Bahn und Richtung Jonggak Station gefahren, weil ich noch zum Jogyesa Tempel wollte. Der soll der größte Tempel Seouls sein und befindet sich direkt in der Nähe des nördlichen Endes von Insadong. Leider war der Tempel gerade von einem Gerüst umgeben, da er wohl renoviert wird, so dass man leider fast nichts von den schön verzierten Fenstern usw. sehen konnte. Und dann versagten mir wegen der Kälte auch noch die Batterien meiner Kamera den Dienst, so dass ich fast keine Fotos des Tempels machen konnte. Nach dem Tempelbesuch bin ich dann noch ein wenig durch einige Läden in der Umgebung gezogen bevor ich mich dann wieder in den Bus gen Bundang setzte.