Ralf: Ein registrierter Alien

So, seit heute bin nun also ein offiziell registrierter Alien. Zwar noch nicht mit Registrierkarte, aber die kommt nächste Woche noch. Sicher wird sich der eine oder andere fragen, was denn das bedeutet, deshalb hier die ganze Sache erklärt: Als Alien (also sowas wie ich) muss man sich in Korea registrieren lassen, wenn der Aufenthalt länger als die ohne Visum erlaubten drei Monate geht. Dazu begiebt soll sich der Alien in ein Immigration Office begeben, dort allerlei Formulare ausfüllen und wird dann registriert. So in der Theorie.

Heute also nun die Praxis: Michael und ich haben uns in’s Seoul Immigration Office aufgemacht. Also, erse Amthandlung: Passbilder machen (da brauchen die angeblich 3 Stück). Oh weia, ein koreanischer Fotoautomat, sahen die Bilder bescheuert aus, aber was erwartet man morgens in der Frühe. Danach erstmal wieder 2 Stunden mit der U-Bahn gefahren, dann an Omokyo-Station raus und nochmal 15 min. zu Fuß. Dann standen wir also vor dem Office. Wir also rein, unsere mitgebrachten (!) Formulare fertig ausgefüllt und ne Nummer gezogen (das ist hier wohl auch Kult, muss man sogar auf der Bank, wenn man ein Konto eröffnen will!) Und dann hieß es warten. Immerhin gab es einen Fernseher, so dass wir das Baseball-Spiel zwischen Houston und St. Louis live anschaun durften. Die meisten anderen Aliens hier sind übrigens aus China und anderen asiatischen Ländern, so dass wir selbst hier als Westler aufgefallen sind. Nach erfreulich kurzer Wartezeit (man hatte uns Schlimmes berichtet) ging man dann zum Officer (mit akurater Uniform) und gab ihm seinen Antrag, unseren Pass und allerlei Papierkram, den uns die Personalabteilung mitgegeben hatte (wohl der Handelreistereintrag, eine Bestätigung, dass wir wirklich auch arbeiten usw.). Der beäugte das ganze, schob mir das meiste des Papierkrams wieder rüber (bei Michael wurde alles behalten, komisch) und tippte in seinem Computer rum. Dann hieß es, ich solle in den Keller gehen und ne Wertmarke kaufen (warum ich ihm nicht gleich die 10000 Won geben konnte wissen nur die Götter) und dann wiederkommen solle. Also, gesagt getan. Naja, dann gings vollends fix, bekam den Abholschein und war damit durch.

Dann wieder 2 Stunden Rückfahrt… Aber wir mussten ja noch zur Arbeit. Auf dem Weg dahin geschah ganz absonderliches: Plötzlich blieb der Bus und alle anderen Autos stehen (gut, Staus kennt man ja schon, aber der war anders), nichts ging mehr. Das ging ne ganze Weile so, dann erklärte uns ein junger Koreaner das sei “military training”, und das fände “once a month” statt. Man übt also den bösen Angriff aus Nordkorea durch riesige Staus aufzuhalten, oder so ähnlich… Irgendwann gab es dann ein Sirenensignal und es ging wieder weiter. Der Busfahrer war reichlich genervt und hat voll Gummi gegeben. Irgendwie schienen ihm die vier Spuren in unsere Richtung nicht zu genügen, so dass er für die paarhundert Meter bis zur Ausfahrt ne fünfte Spur aufmachte, indem er einfach eine der entgegenkommenden umfunktionierte. Keine Panik, das passiert hier ständig und wird als ganz normales Verhalten im Strassenverkehr angesehen.

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