Die Welt ist ein Dorf - Ein Abend in Gangnam

Freitag Abend und wir wollten uns mal so richtig in’s Seouler Nachtleben stürzen. Zuerst wollten wir nach Gangnam (das ist ein großes Geschäftsviertel in Seoul, in dem es Abends wirklich tausende Keipen und Bars gibt), genauer in die Andersen-Bar, eine Cocktail-Bar in der die Barkeeper anscheinend eine tolle Show mit Jonglage usw. bieten sollten. Anschließend wollten wir uns in den Clubs in Hongdae (das Gebiet um die Hongik Universtät) umschaun. Wir, das waren in diesem Fall die üblichen Praktikanten, verstärkt um einen unserer Kollegen aus dem technischen Verkauf (auch ein dt. Expat) und zwei seiner Bekannten, die bei Bosch in Daejon auch als Praktikanten arbeiten und auch Anfang Oktober angekommen sind.

Wir machten uns mit der U-Bahn auf den Weg nach Gangnam, was auch wieder so etwa 50 Minuten Fahrt bedeutete. Schon in der Bahn fiel uns eine koreaischer Rentner im Anzug auf, der wohl zu viel Soju getankt, das ist koreanischer Schnapps, hat etwa 20% und ist so ähnlich wie Wodka, nur etwas süßer, das Zeug wird hier in großen Mengen bei jeder Gelegenheit konsumiert, weil es extrem billig ist (ein 2cl. Glaß kostet unter 1 Euro). Es war lustig zu beobachten, wie sein Sitznachbar, ein Geschäftsmann mittleren Alters sich bemühte, dem Alten trotzdem die von den gesellschaftlichen Regeln gebotene Ehrfurcht dem Älteren oder Höhergestellten gegenüber entgegenzubringen und dessen Verhalten mit stoischer Ruhe ertrug.

Wir trafen die anderen dann in Andersen’s Bar, nachdem wir eine ganze Weile gesucht hatten, bis wir sie endlich gefunden haben, da hier alle Straßen sehr ähnlich aussehen, mit den ganzen Leuchtreklamen. Die Show dort war wirklich ziemlich cool, die Barkeeper jonglierten mit brennenden Flaschen und mixten so ihre Coktails. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei. Wir wurden dann von einer schon sehr angeheiterten (man hätte auch sagen können sturzbetrunkenen) Koreanerin, die ich mal so um die 30 schätze, angesprochen und länger in ziemlich schlechtem Englisch (ob’s am Alkohol lag?) zugetextet. Sie feierte da wohl mit einigen Kollegen den Geburtstag ihres Chefs und und war von uns Westlern total fasziniert. Durch ihren Alkoholspiegel war ihre Aufnahmefähigkeit doch sehr eingeschränkt und die 15. Frage wie man denn heiße, fing dann doch leicht an zu nerven, zumal man zu keinem richtigen Gespräch untereinander kam, da sie ständig einen von uns von hinten antippte. Irgendwann ging sie dann aber (die Koreaner sind anscheinend immer sehr schnell beim feiern, der Alkohol wird in größeren Mengen hinuntergestürzt und um 11 geht man dann nach Hause) und ließ uns in Ruhe. Dann kam der Hammer, wir unterhielten uns und stellten fest, dass sowohl der Kollege aus dem Verkauf, als auch seine beiden Freunde aus der gleichen Gegend wie ich stammen und in Deutschland nichtmal 15km auseinander wohnen. Die Welt ist echt ein Dorf!

Nach drei Cocktails haben wir dann beschlossen, die Location zu wechseln. Da uns der Weg nach Hongdae dann doch zu lang war und wir aufgrund der Uhrzeit zwei Taxen benötigt hätten, suchten wir und in Gangnam einen Club. Was sich als gar nicht so einfach rausstellte, da es hier wohl nur HipHop-Clubs und “Hofs” (das sind eine Art von Sauf-Hallen, warum die “Hof” heißen, keine Ahnung) gab. Also sind wir dann in’s “Noise Basement”, einen anscheinend ziemlich angesagten HipHop-Club gegangen (wer meinen Musikgeschmack kennt, weiß dass das normalerweise überhaupt nicht so mein Ding ist). Der Name war auch Programm, es war höllisch laut (in Deutschland wäre der Laden wohl schon zugemacht worden) und voll. Aber die Stimmung war sehr gut und wir haben uns dann unter die Menge gemischt und noch bis 5 Uhr morgens mit vielen koreanischen HipHop-Fans abgetanzt. HipHop scheint hier bei den Jugendlichen sehr beliebt und eine Art Rebellion gegen die gesellschaftlichen Regeln zu sein. Auf jeden Fall kann man hier sehr viele (vor allem männliche) Koreaner sehen, die sich von ihrer Kleidung und ihrem Verhalten vollkommen auf den Gangsta-Style eingestellt haben. Was aber auffällt ist, dass hier alles sehr friedlich abläuft, Schlägereien oder Streitereien konnten wir nirgendwo beobachten.

Um halb 6 haben wir dann die erste U-Bahn nach Hause genommen und sind um halb 7 dann endlich zuhause angekommen.

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