Das Team Building Event 2005


Wie schon angekündigt war ich jetzt zwei Tage auf dem Team Building Event (kurz TBE) 2005. Donnerstag Morgen ging es los, mit vier Bussen von Yongin brachen wir Richtung Hongcheon auf. Es ging erstaunlicherweise sehr flott voran (obwohl der Busfahrer einen relativ zivilisierten Fahrstil hatte) und wir sind schon nach zwei Stunden im Resort angekommen.

Die Fahrt war schon etwas surreal, wenn man deutsche Maßstäbe anlegt, der Bus war innen komplett mit einer Art Diskobeleuchtung (rot-grün-blaue Lichtschläuche und grün/orange Deckenbeleuchtung) verziert, die der Fahrer natürlich auch in ihrer vollen Pracht einschaltete. Dazu lief dann im Bord-Fernsehen irgendeine koreanische Gangsterkomödie, natürlich nur mit koranischem Ton und ohne Untertitel. Naja, irgendwann hatten wir dann genug davon und haben uns unsere eigene Unterhaltung gegeben, in Form von Musik aus den mitgebrachten MP3-Playern. Als wir im “Vivaldi Park” Resort ankamen (unglaublich, beinahe genau zeitgleich kamen auch die zwei Busse aus Seoul und die 14 aus Daejon an) herrschte große Verwirrung, wo wir denn nun genau hinmussten. Unser Busfahrer ist unglaubliche vier Mal den selben Weg hin- und zurückgefahren, ehe er dann mal einen der Parkwärter fragte, wo wir denn nun genau hinmussten.

Das Resort ist im Winter ein großes Skigebiet, entsprechend gab es hier eine ganze Menge an Liften und die Berge waren ziemlich steil und viele (wie die koreanische Ostküste sowieso sehr bergig ist). Landschaftlich war es im Resort sehr reizvoll, da die Blätter der Bäume wundervoll gelb und rot waren. Als wir am Hotel ankamen waren wir richtig beeindruckt, zum einen was das Aussehen (richtig gut) als auch die Größe (19 Stockwerke) anging. Also Schlüssel geschnappt (vielmehr hat das unser Room-Captain Michael gemacht) und auf in unser Zimmer. Uns das war Michael, Marco aus Daejon, mit dem wir schon in Gangnam unterwegs waren und meine Wenigkeit. Das “Zimmer” war eine Suite für fünf Personen, die laut Schild 350.000 Won (also um die 300 Euro) die Nacht kostet. Allerdings haben wir erstmal verzweifelt gesucht, wo denn die Tür zum Schlafzimmer ist, denn es waren keine Betten zu sehen… Als wir im Schrank eine Menge an Bettdecken und dergeichen fanden, ging uns ein Licht auf: Wir würden hier korean-style schlafen dürfen, d.h. auf dem Boden. Na prima, lernen wir das also auch mal kennen. Danach gab’s Essen und dann fing auch schon das Programm an.

Wir (also so etwa 800 Boschler, alle in den gleichen blauen Trainingsanzügen) haben uns dazu auf einem sandigen Feld (man könnte es Bolzplatz nennen) versammelt und durften den Einführungen unseres Moderators (irgendein halbwegs bekannter koreanischer Moderator einer Musiksendung) lauschen, die natürlich koreanisch war, wie unser Programmheftchen auch. Überhaupt war hier alles koreanisch. Man merkte schon, dass die Veranstaltung hauptsächlich auf die Arbeiter aus den Werken ausgerichtet war und weniger für die paar Expats. Also begann dann das eigentliche Team Building Event von Bosch Korea, oder “Boschi” wie man hier sagt. Das hängt wohl damit zusammen, dass die kreanische Sprache es nicht erlaubt, dass ein Wort auf “sch” endet, also müssen da noch Fülllaute dran. Und so begann dann ein Tag, an dem die einzigen Worte, die man verstand “Boschi” und “kamsa hamnida” (Danke) waren… Den Nachmittag sollten wir dann mit einer Art Spiel ohne Grenzen nur in der koreanischen Fassung verbringen, das heißt in Teams so eine Art Stafette aus verschiedenen Spielen durchziehen und versuchen möglichst schnell zu sein. Das Ganze ging ganz schön hart zur Sache, denn die Koreaner gingen ohne Rücksicht auf Verluste (oder Andere) zu Werke, um zu gewinnen. Bei einem Spiel wurde ich von einem Mitglied eines anderen Teams böse von hinten umgegrätscht, als ich grade dabei war wieder an das vordere Ende unserer menschlichen Brücke (immer zwei halten eine Stufe und ein Teammitglied muss da dann drüber laufen) zu laufen. Mein Knöchel tat zwar einigermaßen weh, aber auf sowas nimmt man hier keine Rücksicht, also hieß es weitermachen. Das Ganze war wirklich tierisch spaßig, obwohl es ziemlich rund ging und die meisten Koreaner (Arbeiter aus den Werken) kein Wort Englisch sprachen. Trotzdem hat unser Team ganz gut funktioniert, da die Verständigung mit Händen und Füßen ganz gut klappte.

Irgendwann war es dann Abend und es ging auf zum Essen. Es gab ein riesiges Buffet, an dem man sich frei bedienen durfte. Anscheinen trugen die Koreaner auch hier einen Wettbewerb aus, nämlich den, wer den Teller am höchten vollpacken kann. Ich habe dann mal auf die Teilnahme verzichtet und mir später noch nen Nachschlag geholt. Das Buffet bot mir dann die Gelegenheit auch mal etwas ausgefallenere Dinge wie Stachelrochen (schmeckt nach nicht viel, dafür war die Soße dazu höllisch scharf), Jellyfish, also Qualle (auch nicht groß im Geschmack), und Oktopus (etwas zäh) zu probieren. Dann ging auch schon die Show los. Moderiert wurde der Abend von einem bekannten koreanischen Komiker, der dem Stil nach ein Kopie von Thomas Gottschalk sein könnte. Die Show bestand zum einen aus Auftritten von koreanischen Künstlern, die hier wohl sehr bekannt sind und zu den nationalen Top-Acts gehören, die Koreaner konnten auf jeden Fall alle Texte mitsingen und gingen voll ab. Das Spektrum reichte da von New-Rock über einen koreanischen Yvonne Catterfeld-Verschnitt bis hin zur koreanischen Fassung von Eros Ramazotti. Das Ganze war wiederum so extrem laut, dass man im vorderen Drittel (da war mein zugeteilter Tisch) fast taub wurde. Wir haben schon im Scherz gemeint, dass nach laut, sehr laut und schmerzhaft laut dann wohl korean-style laut kommt. Der andere Part der Show waren Showeinlagen von Boschlern, die dafür wohl monatelang geübt haben mussten, da sie meistens extrem professionel aussahen und die Besten mit ganz hübschen Geldpreisen bedacht wurden. Nach der Preisverleihung ging es dann nochmal auf den Platz raus, wo dann noch ein koreanischer Bon-Jovi Verschnitt ein paar Schmachtlieder trällerte, was unsere Team-Assistentin Frau Lee in extatische Verzückung fallen lies (”he’s my favourite singer, he is soo handsome…”). Dazu hatten wir dann alle noch Kerzen in die Hand gekriegt un durften im Takt damit winken. Zu guter Letzt wurde dann noch eine große Polonaise über den ganzen Platz gemacht und ein kleines Feuerwerk wurde abgebrannt, nachdem aus den Kerzen der Schriftzug “Bosch” zusammengesteckt wurde. Für uns Europäer war das ganze teilweise schon etwas gewöhnungsbedürftig und in Deutschland hätte man einige sicher als zu dick aufgetragen betrachtet, aber hier war das ganz witzig und den Koreanern hat’s wohl sehr gefallen. Da der Abend noch verhältnismäßig jung war, sind wir dann noch mit einigen koreanischen Kollegen in’s Noraebang (koreanisch für Karaoke, heißt sowas wie Sing-Raum) gegangen und haben da dann drauflos geträllert. Das war ganz witzig, denn die Koreaner gingen dabei voll ab, unglablich wieviele Lieder die kennen. Aber selbst ich (so ziemlich das untalenierteste was es so im Bereich Gesang gibt) hab mich zu zwei Liedern hinreisen lassen und muss sagen, das hat tierischen Spaß gemacht, keinen Menschen kümmert es wie falsch man singt, Hauptsache die Performance (oder auf korea-englisch: “Pepomance”) stimmt. Um halb 2 Uhr hab mich dann in’s Zimmer begeben und es mir auf unseren harten Schlafgelegenheiten gemütlich gemacht, so gut es ging. Ich muss sagen, das Schlimmste war nicht der harte Boden, sondern das mit Reis gefüllte Kopfkissen, das doch sehr unangenehm war, weshalb es dann irgendwann mit Schwung an die gegenüberliegende Wand flog…

Für den zweiten Tag war eigentlich geplant, dass alle zum Hiking gehen, aber der über Nacht einsetzende Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also gab es als Alternativprogramm eine längere (wenn man kein koreanisch versteht sogar seeeeehr lange) Präsentation von verschiedenen Mitarbeiterbefragungen und Qualitätsprogrammen. Anschließend wurden dann noch einige nette Dinge verlost und Michael (hat ne Bohrmaschine gewonnen) und Doohae (ein nettes Blaupunkt Autoradio, fehlt nur noch das Auto dafür) hatten auch noch tierisch Glück. Nach dem Mittagessen wurde dann schon etwas früher zur Heimreise aufgebrochen.

Insgesamt waren die zwei Tage echt Klasse, in diesem Sinne: “kamsa-hamnida Boschi”.

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