Tintenfisch und bunte Blätter - Eine Reise zur Ostküste

Urlaub! Zwar nicht wirklich viel, aber immerhin zwei Tage. Da am 1. November unser Firmenfeiertag (Company Foundation Day) war, bot es sich an am Montag einen Tag frei zu nehmen und eine kleine Reise durch Korea zu unternehmen. Unser (d.h. Michaels und meines) Ziel war der Seoraksan Park an der Ostküste, ein Nationalpark mit vielen Bergen und atemberaubender Landschaft. Besonders im Herbst zieht der Park an den Wochenenden zigtausende Besucher an, da dort die herbstlich gefärbten Blätter besonders schön sind.

Wir machten uns also auf nach Sokcho, eine kleinere Stadt direkt an der Küste, von wo aus man den Park bequem mit dem Bus erreichen kann. Wir fuhren Sonntag Früh mit dem Limousinen Bus in Seoul ab und kamen knappe 4 Stunden und exakt 277,7km (laut Fahrkarte) später in Sokcho an. Dort standen wir zunächst etwas ratlos da, da Michael wie er 20km zuvor bemerkt hatte den Zettel mit dem Namen unseres Motels vergessen hatte. Also gingen wir auf die Suche nach dem Motel, von dem wir noch die ungefähre Lage wussten und die Telefonnummer hatten, was uns aber nicht half, da dort keiner Englisch sprach. Wir gingen also zu Fuss in die Richtung, wo das Hotel liegen musste. Nach 20 Minuten hatten wir genug und hielten ein Taxi an, drücktem dem Fahrer das Handy in die Hand und machtem ihm klar dass wir da hin wollten. Etwas peinlich war dann doch, dass er uns vielleicht 200m fuhr, dann standen wir auch schon vor dem Motel, das trotz des günstigen Preises von 34.000 Won die Nacht für ein Doppelzimmer sehr schön aussah, was auch für das Zimmer galt.

Hungrig machten wir uns auf die Erkundung der Stadt in Richtung des Hafens, wo laut unserem Reiseführer viele Fischrestaurants sein sollten. Erstmal hatte es dort wesentlich mehr Läden, die getrockneten Fisch in allen Varianten verhökerten, aber keine Restaurants. Irgendwann wurden wir von einer älteren koreanisch sprechenden Frau in ein Haus hereingeführt, das wohl ein Restaurant zu sein schien. Natürlich konnte keiner ein Wort englisch, aber wir haben dann nach den Bildern an der Wand bestellt. Wir bekamen also einen sehr schmackhaften Eintopf mit einem ganzen Fisch in Scheiben drin, der aber mit 20.000 Won auch nicht unbedingt billig war. Frisch gestärkt gingen wir dann weiter in Richtung des Fischmarktes, wo der frisch gefangene Fisch noch lebend verkauft wurde. Ein toller Anblick war das schon, die ganzen Bottiche mit verschiedensten Fischarten drin und der Geruch war auch eines Fischmarkts würdig. Gleich hinter dem Fischmarkt gab es die Hafenmauer, auf der wir ein bißchen gingen und den Blick auf die “East Sea” (hießiger Name für das Japanische Meer) genossen. Da es sehr windig war, war der Pazifik auch ziemlich aufgewühlt, so dass der Anblick wirklich imposant war. Wir machten uns auf den Rückweg um auf der anderen Seite von Sokcho noch den World Tourist Expo-Tower anzusehen und konnten sogar noch bis zur Aussichtsplattform hochfahren um die Aussicht aus 70m Höhe zu geniessen. Anschließend stürzten wir uns in’s hiesige Nachtleben (oder vielmehr das, was davon an Sonntag Abenden noch übrig ist, nämlich nicht viel, wenn die Touristen weg sind).

Am nächsten morgen ging es dann mit dem Bus auf nach Seorakdong, wo einer der Eingänge zum Seoraksan National Park liegt. Das Wetter war viel besser als am Sonntag, an dem es sehr diesig war und im Park anscheinend sogar geregnet hatte, auf jeden Fall hatten wir tollen Sonnenschein und eine recht gute Fernsicht. Die Koreaner hatten auch nicht übertrieben, die Blätter hier waren wunderbar in allen Rot- und Gelbtönen gefärbt und leuchteten sehr intensiv. Zuerst wollten wir zum Biryong Wasserfall gehen. Der Weg dorthin war relativ leicht und führte einen Canyon hoch an einem anderen Wasserfall vorbei. Auf dem Weg sahen wir Streifenhörnchen, die allerdings sehr schreckhaft waren, so dass wir sie nicht fotografieren konnten. Als wir nach einer Stunde am Biryong Wasserfall ankamen bot sich uns ein sehr schöner Anblick, auch wenn der Wasserfall nicht sehr groß war, da der Fluss wenig Wasser führte. Während der Schneeschelze oder in der Regensaison im Sommer soll das ganz anders sein. Nach einer kleinen Pause machten wir uns wieder auf den Rückweg, da wir noch eine andere Wanderung geplant hatten. Wir wollten zum Ulsanbawi, einem Felsgipfel der eine tolle Aussicht auf den Seoraksan Park und das Ostmeer bieten sollte. Der Weg führte an mehreren buddhistischen Klöstern und Klausen vorbei, so dass man immer wieder anhalten und schauen konnte. Zu Beginn war der Aufstieg relativ einfach, aber wir wussten, dass oberhalb der Gyejoam Klause ein sehr harter Abschnitt auf uns warten würde. Die Gyejoam Klause bietet eine besondere Attraktion, einen 16 Tonnen schweren Felsen, den eine einzelne Person hin- und herbewegen kann, ein Ort mit hoher spiritueller Bedeutung für die Buddhisten. Hinter Gyejoam ging es dann aber los, der Weg wurde zusehends steiler und dann kam der härteste Abschnitt der Tour: Da der Ulsanbawi hier fast senkrecht ansteigt wurden Stahltreppen in den Felsen befestigt, die es zu überwinden gilt. Diese Treppen bestehen aus mehr als 800 Stufen und es gab Abschnitte, die bestimmt mehr als 70° Steigung hatten. Dieser Abschnitt warf hin und wieder die Frage auf, ob die Koreaner noch ganz bei Trost sind, denn selbst sehr gebrechlich wirkende ältere Damen kraxelten mit normalen Straßenschuhen auf diesen Stahlstufen herum. Der Aufstieg über diese Treppen dauerte wohl so etwa 30 Minuten, dann war am Gipfelplateau des Ulsanbawi, angeblich der höchste freistehende Fels Asiens, auf 870m angekommen. Der Anblick den man dort oben zu sehen kam lies einen nur staunen. Zum einen, weil dort oben ein Souvenirstand war, der Goldmedaillen mit Namensgravur und Datum verkaufte, zum anderen wegen der Aussicht auf den Park und das Meer.

Am Abend gingen wir auf Anraten eines unserer Kollegen bei Bosch in den WaterPia Spa, ein riesiges Badezentrum, das aus einer Heil- und Thermalquelle gespeißt wird und in Korea wohl sehr bekannt ist. Das Bad bot wundervolle Massagebecken, heiße Quellen, Whirlpools, ein Wellenbad und eine tolle Saunalandschaft. Nach dem harten Tag nutzten wir dieses reichliche Angebot zum Relaxen und um unsere müden Knochen zu pflegen. Zum Abschluss gingen wir noch in den Bereich mit der Saunalandschaft und den Termalwasserbecken, und staunten nicht schlecht, denn in diesem Bereich war FKK pflicht, allerdings strickt nach Geschlechtern getrennt, aber trotzdem, das hätte man im konservativen Korea gar nicht erwartet. Wir setzten uns in ein Becken mit Thermalwasser uns kamen mit einigen jungen Koreanern ins Gespräch, die ebenfalls dort waren und englisch konnten, da sie 5 Jahre in den USA studiert hatten. Nachdem wir uns genügend entspannt hatten gingen wir noch auf ein paar Cocktails in eine Bar.

Am Dienstag wollten wir nochmal kurz in den Park, um mittels einer Seilbahn (Freihängend über 480 Höhenmeter!) auf den Gwongeumseong zu fahren, von wo aus man in einer halben Stunden zu den Überresten einer Burg auf dem Gipfel aufsteigen konnte. Leider hatte ich meine Kamera mit dem Rucksack unten eingeschlossen, so dass ich die wundervolle Aussicht, die sich von dort bot, nicht festhalten konnte. Nachdem wir den Blick vom Gipfel eine Weile genossen hatten machten wir uns wieder auf zur Talfahrt, um anschließend nach Sokcho zurückzukehren, von wo aus wir dann den Limousinenbus nach Seoul zurück nahmen.

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