Ein etwas verrückter Ausflug nach Suwon


Gestern haben wir (Sascha, Michael und ich) Suwon besucht, um die berühmte Festungsmauer dort zu besichtigen. Da es mit der U-Bahn nach Suwon eine halbe Weltreise ist, weil man erstmal ins Stadtzentrum von Seoul muss, um umzusteigen, haben wir uns entschieden mit dem Bus zu fahren. Um sicherzugehen, dass wir den richtigen Bus nehmen haben wir zuvor unsere Teamassistentin Mrs. Lee gefragt. Als sie hörte, dass wir nach Suwon wollen, war sie hin und weg (sie ist sehr begeisterungsfähig) und bot uns an, uns dort rumzuführen. Gern willigten wir ein.

Leider ist Mrs. Lee etwas chaotisch (auf eine sehr liebenswerte Art und Weise), so dass wir sie natürlich erstmal nicht erreichen konnten, als wir nach 45 Minuten im Bus am Worldcup Stadium in Suwon angekommen waren, wo sie uns gesagt hatte, dass wir aussteigen sollten. Wir fragten also einen Passanten nach dem Weg zur Hwaseong Festung, der meinte erstmal, dass wir hier total falsch seien, wir sollen doch ein Taxi nehmen, zu Fuß sei das kaum zu schaffen. Haben wir dann auch gemacht. Der Taxifahrer, der glücklicherweise exzellent englisch sprach, weil er vor seinem Ruhestand als Manager einer Baufirma im Ausland gearbeitet hatte (hier wurde das fehlende Rentensystem in Korea offensichtlich) hat uns dann bis zum Haenggung Palast gefahren. Dort hatten wir ziemlich Glück, denn gerade begann eine Vorführung traditioneller Kampfkünste und in alten Uniformen gekleidete Kämpfer demonstrierten ihre Fertigkeiten mit Schwert und Speeren. Die Vorstellung war wirklich sehr beeindruckend. Anschließend haben wir den Palast besichtigt. Um auf die Festungsmauer der Hwaseong Festung zu kommen gingen wir also zum Paldalmun (das Südtor), wo wir dann von Mrs. Lee angerufen wurden. Sie hatte wohl verschlafen (es war grade 15 Uhr muss man dazusagen)… Wir sagten ihr, dass wir um die Festung gehen würden, und sie dann anschließend treffen würden. Also ging es los, wie hier schon üblich erstmal wieder ziemlich steil bergauf. Als wir etwa den halben Weg zum Westtor geschafft hatten, rief sie wieder an, wir sollten warten, sie sei in 10 Minuten bei uns. Nun gut, 30 Minuten und einige konfuse Telefonate später stand sie dann vor uns. Sie meinte, sie würde uns zum Nordtor fahren, damit von dort aus zum Westtor gehen konnten, da sei es viel schöner. Also auf in ihr Auto. Sie setzte uns an einem Tor ab und sagte, dass wir uns in 30 Minuten am Ost treffen würden. Wir sind also losgegangen und sind nach so etwa 15 Minuten am nächsten Tor, von dem wir dachten es sei das Osttor (Irrtum!!!), angekommen. Wir warten noch ein Weilchen, dann rief sie an, sie könne uns nicht sehen. Wir sahen uns um und stellten fest, dass wir am Nordtor waren, sie hatte uns am Westtor abgesetzt. Also sagte sie, wir sollen zurück wo sie uns abgesetzt hatte, da würde sie uns abholen… 15 Minuten später selbes Spiel: Wir am Westtor, sie nun am Nordtor, der leichten Sprachverwirrung sei dank. Naja, 5 Minuten später hatte sie uns dann gefunden und fuhr mit uns zum Westtor. In der Zwischenzeit war es schon dunkel geworden und wir konnten auf unserer kleinen Irrwanderung die Tore und die Mauer in einer tollen Beleuchtung bewundern, die für einiges entschädigte. Sie fuhr dann noch mit uns zum Osttor, das wirklich wunderschön war in der Dunkelheit.

Zum Abschluss wollten wir noch gemeinsam Essen gehen. Also wieder ab ins Auto und losgefahren. Plötzlich trat sie aus heiterem Himmel gnadenlos auf die Bremse (wir waren auf einer 6-spurigen Strasse!) und rief ganz verzückt “Mr. Yeon” und schaltete die Warnblinkanlage an ohne Anstalten zu machen die Straße freizumachen. Wir dachten in dem Moment, unser letztes Stündchen hätte geschlagen und jeden Moment würden wir über dne Haufen gefahren, aber weit gefehlt, nichtmal gehupt wurde (und das wird hier oft und gern), scheint also ein durchaus normales Manöver zu sein. Mr. Yeon ist ein Kollege aus dem TCK und lief wohl grade an der Straße entlang. Nach 5 Minuten hatte sie ihn zu uns ins Auto gepackt und wir waren wieder auf dem Weg zum Essen. Es gab Gamjatang, eine Suppe mit fleischigen Rippenknochen und Kartoffeln drin, war sehr lecker. Dazu wurde Soju (koreanischer Schnaps, so ähnich wie Wodka, nur nicht so stark) und Chung-Ju (auch Reisschnaps, aber süßer als Soju) getrunken. Zum Abschluss sind wir noch in eine Bar um ein Bierchen zu trinken, da haben wir dann mit einer weiteren koreanischen Spezialität bekanntschaft gemacht: Wenn man einen Kübel Bier (billiger als Flaschenbier) und Gläser bestellt muss man auch etwas zu essen dazubestellen… Also haben wir einen Teller mit Fruchtsalat und Sahne bestellt. Der Fruchtsalat bestand dann aus Äpfeln, Bananen, Kiwis und Cocktailtomaten. Als wir uns etwas über die Tomaten, die man übrigens auch mit Sahne isst, wunderten, meinten die Koreaner, das gehöre doch dazu.

Alles in allem ein etwas verrückter aber dennoch sehr schöner Tag. Sascha, der schon seit vier Monaten hier ist, meinte, dass wir jetzt mal einen ganz normalen Tag gesehen hätten, wenn man mit Koreanern unterwegs sei. Aber Mrs. Lee sei doch ein wenig eine Außnahme, die sei noch etwas chaotischer und hektischer als die anderen.

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