Fussball-Fieber und ein Abend unter Koreanern

Nachdem ich in Insadong war wartete noch ein Highlight am Abend auf mich. Wir hatten Karten für das Freundschaftsspiel zwischen Südkorea und Schweden im Seouler Worldcup Stadium. Wir das sind Andrew (eigentlich ja JiWook, ein koreanischer Praktikant bei RBKR, er hat die Karten besorgt), Michael, Nils, Sascha, Ji-Hun (ein koreanischer Kollege, der sechs Jahre in Bremen studiert hat) und ich. Wir hatten die Karten sehr güstig bekommen, da Andrew in einem Fanclub der koreanischen Nationalelf ist und so günstig an die Karten kam. Einziger Haken, unsere Plätze waren mitten im Koreanischen Fanblock in der Kurve, vierte Reihe von vorn, also sehr nah am Geschehen. Bevor das Spiel losging, betrat eine traditionelle Fanfaren und Trommelgruppe das Spielfeld, die allerdings nicht die Hymnen spielte, die kamen vom Band. Die Koreanischen fans gingen voll ab während des Spiels, sobald ein roter Spieler den Ball in der eigenen Hälfte hatte brach infernalischer Jubel aus. Das Spiel war sehr munter, Korea hatte die besseren Chancen war aber sehr schlecht im Abschluss. Die Atmospähre war wirklich ausgezeichnet, es war tolle Stimmung und alles war sehr zivilisiert und friedlich, sogar im Fanblock mit den Hardcore Fans. Am Ende ging das Spiel dann 2:2 aus, für ein Freundschaftsspiel sicher ein schönes Ergebnis.

Nach dem Spiel gingen wir dann noch mit den anderen Red-Devils (so heißt der Fan-Club) zum Essen und vor allem Trinken. Wir fielen also etwa 40-Mann (und Frau, hier sind bestimmt 50% der Fans weiblich) hoch in einem sehr günstigen Restaurant ein. Günstig deshalb, weil man für 6000 Won (5 Euro) soviel Galbi und Ssamgyeopsal (auf dem Tisch gegrilltes Fleisch) essen konnte wie man wollte oder konnte. Einzig die Getränke musste man bezahlen. Wie üblich wurde zu dem relativ fetten Fleisch natürlich Soju getrunken, oder soll ich lieber sagen “gesoffen”. Sag noch einer, dass die Asiaten keinen Alkohol vertragen, man oh man. Ständig wurde nachgeschenkt und es hieß dann wieder “One Shot! One Shot!!!”, und wieder waren 2cl Soju weg. Soju ist der traditionelle koreanische Alkohol, oder besser Fusel. Das Zeugs hat 20%, schmeckt nach wenig, und ist im großen und ganzen wie schwächerer Wodka. Da wir die Wirkung des Gesöffs nicht kannten tranken wir feste mit und irgendwann traf es uns auch wie ein Hammer, das Zeug war sehr stark, zumindest, wenn man viel (und ich meine viel, nach dem 15. Glas haben wir aufgehört zu zählen, aber es werden wohl schon über 20 gewesen sein) davon trinkt. Einige der Koreaner sind dann noch am Tisch eingeschlafen, wir anderen zogen in die nächste Kneipe weiter. Dort wurde auch weitergetrunken, wozu dann einige Jiggae (Scharfe Eintöpfe) gerreicht wurden, die wohl gegen den Kater sind. Naja, wir haben uns wohl ganz gut gehalten, was Keeki, einem verrückten Koreaner, den Spruch “You are very strong guys” abnötigte. Da die letzte Bahn längst weg war, schlossen wir uns dann noch dem letzten Trupp an und gingen mit ihnen ins Noraebang, also zum Karaoke singen. Dank des Alkoholspiegels war das auch eine sehr vergnügliche Angelegenheit, bei der alle großen Spaß hatten. Naja, irgendwann war es dann 5.30 Uhr und die U-Bahn war wieder offen, also machten wir uns auf die Socken und kamen dann um 7.30 Uhr zuhause an. Über den Verlauf des restlichen Tages breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Es sei nur soviel gesagt: Children, don’t try this at home. Wir werden auf jeden Fall beim nächsten Mal nichtmehr versuchen mit den Koreanern im Trinken zu konkurrieren… Ich übertreibe etwas, wir waren dann am Abend noch bei Andrews Eltern zum Essen eingeladen und sind da dann auch in einigermaßen wiederhergestelltem Zustand eingetroffen und haben Deutschland würdig vertreten ;-)

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