Ein Besuch auf der Honeymoon-Insel - Zwei Tage auf Jeju-do

Ein Ausflug nach Jeju gehört eingentlich zu jedem Koreaaufenthalt. Da konnten wir uns natürlich nicht entziehen und mussten auch nach Jeju. Also den Freitag freigenommen und auf über’s Wochenende nach Jeju. Am Donnerstag sind wir (das sind Andrew, Michael und ich) um 6 Uhr Abends aus dem Büro raus und direkt in unseren Van (den wir uns freundlicherweise von der Firma leihen konnten) und auf den Highway. Nach 5 1/2 Stunden sind wir dann auch schon in Wando, einer Küstenstadt an der Südspitze Koreas. Dort haben wir uns ein günstiges Motel genommen (es war mal wieder Schlafen auf dem Boden angesagt, also ganz traditionell) um dann am nächsten Morgen gleich um 8 auf die Fähre nach Jeju zu kommen. Die Überfahrt war etwas surreal. Wir hatten 3. Klasse gebucht (also die niedrigste), da gibt es nur mit Fußboden ausgelegte Parzellen um Schiff, in denen man liegt, sitzt, steht, was auch immer. So sind wir dann 5 1/2 Stunden mit der Fähre gen Jeju getuckert und haben die meiste Zeit geschlafen. Nach einen kleinen Zwischenstop auf Chu-Ja, einer kleinen Insel vor Jeju, sind wir dann in Jeju (genauer in Jeju-Si, also der Stadt Jeju, im Gegensatz zu Jeju-Do der Insel) angekommen.

Am Hafen von Jeju wartete auch schon unser Mietwagen, da wir unseren Van in Wando abgestellt haben. Dank Navigation (kriegt man hier gratis, wenn man den Wagen Vollkasko versichert) war das Zurechtfinden auf der Insel mit ihren etwa 60×40km Ausdehnung ein Kinderspiel. Aber zuerst sind wir einfach der Küstenstraße gefolgt und sind von Jeju-Si Richtung Westen gefahren. Dort haben wir an einigen Stellen Halt gemacht und die tollen Lava-Felsen (Jeju ist eine Vulkaninsel, mehr dazu später) und das klare blaue Wasser vor Piyang-Do (wie der Name “Do” schon sagt, auch eine Insel) angesehen. Unterwegs hat sich Michael dann noch am Wegesrand zwei Mandarinen “geborgt”, da hier sehr berühmte Mandarinen wachsen, die an jeder Ecke angepflanzt werden. Dann haben wir uns nach Süden vorgearbeitet, in Richtung Seogwipo (bekannt von der Fussball WM 2002, da war einer der Spielorte). Etwas westlich von Seogwipo liegt der Yakcheonsa Tempel, unser erstes Ziel dort. Dieser Tempel wurde erst vor einigen Jahren erbaut und soll der größte buddhistische Tempel Asiens sein. Das Hauptgebäude ist von Außen schon wundervoll, aber das Innere des Tempels war der Wahnsinn. Der gesamte Innenraum war extrem prachtvoll ausgestaltet und nahm einem beinahe die Sprache. In den oberen Stockwerken stehen 18000 kleine Buddha-Statuen, die einen echt tollen Anblick bieten.

Nach dem Yakcheonsa sind wir zum Jeongbang Wasserfall gefahren, einem sehr schönen Wasserfall, der direkt ins Meer geht (auch das soll in Asien einzigartig sein, aber genau weiß das wohl keiner). Wir kamen passend zum Sonnenuntergang dort an und der Anblick war sehr schön. So schön, dass Michael beim Herumklettern auf einigen Felsen im Meer ein unfreiwilliges Bad nahm :-) Danach sind wir dann wieder nach Jeju-Si zurückgefahren und haben uns erstmal ein Motel gesucht (klar, wieder mit Bett auf dem Boden). Anschließend haben wir uns zum Abendessen lokale Spezialitäten gegönnt, nämlich Fleisch von Schwarzen Schweinen, als Galbi und Ssamgyeopsal zubereitet. Der Geschmack war wirklich anders als “normales” Galbi oder Ssamgyeopsal und sehr lecker. Zum Ausklang des Tages sind wir dann noch in das Nachtleben Jejus mit einer Kneipentour eingetaucht.

Am zweiten Tag war unsere erste Station der Seongsan Ilchulbong, der Sunrise Point an der Ostküste. Leider waren wir etwas spät für den Sonnenaufgang, aber das machte nichts. Der Seongsan ist ein kleiner Vulkankrater von 182m Höhe. Über komfortable Stufen sind wir zum Gipfel gestiegen uns haben den Ausblick auf das Ostmeer genossen. Der Berg ist ganz witzig, da war wohl mal eine Festung drauf und es gibt hier wohl drei Felsen, die zum Rang eines Captains befördert wurden, weil sie so vielen Angreifern das Leben gekostet haben. Anschließend ging es weiter zum Sangumburi, einem weiteren Krater, der sehr berühmt ist. Hier kommt man ganz einfach auf den Rand des Kraters und kann von dort 100m tief in den Krater hinunterschaun. Es gibt auch einen Weg auf dem man um den gesamten Krater herumgehen kann. Dort haben wir dann auch ein kleines Mittagessen zu uns genommen und sind frisch gestärkt zum Hallasan, dem Mount Halla aufgebrochen. Der Hallasan ist der höchste Berg Jejus und Koreas, und auch ein Vulkan, der wohl die Insel Jeju geformt haben muss. Das Wetter am Hallasan ist sehr wechselhaft und wir waren auch erst am Nachmittag da, weshalb uns von einem Aufstieg zum Gipfel (5 Stunden) auf 2000m Höhe abgeraten wurde. Wir wollten auch nur bis zu einer Hütte gehen, die nach etwa 6km Weg zu erreichen ist. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten wegen aufziehenden Regenwolken nach 2,5km wieder umkehren und uns auf den Abstieg machen. Nächste Station war die “Mysterious Road”, eine Straße, die aussieht als würde sie ansteigen, in Wirklichkeit aber fällt. Zuerst waren wir skeptisch, aber als unser Auto dann im Leerlauf den “Berg hinauf” rollte waren wir verblüfft. Zur Sicherheit kauften wir ein paar Dosen an einem der Stände neben der Straße und probierten es nochmal aus (hier das Video (5MB, Quicktime)) und es funktionierte tatsächlich. Letzte Station unserer Tour war der berühmte Yongduam Felsen in Jeju-si. Der Fels ist eine Attraktion für alle Flitterwöchner (Jeju ist das beliebteste Ziel für frisch verheiratete Paare in Korea) und es ist in den Flitterwochen quasi ein Muß sich vor dem Felsen fotografieren zu lassen. Der Fels sieht (oder vielmehr sah) aus wie ein Drache, eigentlich wie ein kopfloser Drache, denn vor einigen Jahren hat ein Blitz den eigentlichen Kopf abgesprengt, trotzdem sieht der Fels immernoch irgendwie wie ein Drache aus. Da wir noch einige der leckeren Mandarinen aus Jeju kaufen wollten, um sie den Kollegen im TCK mitzubringen sind wir dann noch auf einen lokalen Markt gefahren und sind über den noch ein wenig geschlendert. Wir haben dann eine Kiste Mandarinen (50 Stück) für 5000 Won erstanden was wirklich sehr günstig war. Nach unserer langen Besichtigungstour haben wir uns wieder ein Motel genommen und unseren Mietwagen zurückgegeben. Dann kam noch ein kleines Highlight für den Abend, wir waren rohen Fisch essen. Das ganze war zwar richtig Teuer (80000 Won für uns drei, ohne Getränke, aber Andrew hat die Bedienung auf 70000 runtergehandelt), aber unglaublich lecker. Der Fisch war beste Qualität, mit der Angel gefangen und noch lebendig im Restaurant. Dazu gab es unglaublich viele Side-dishes wir Austern, Garnelen, Backfisch, Tintenfisch, Fischsuppe, Reis etc. Zuerst hatten wir bedenken, dass wir satt werden, aber am Ende konnten wir keinen Bissen mehr runterbekommen, so voll waren wir. Kann man also jedem Sushi und Sashimi-Freund nur empfehlen.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn wir mussten um 8.20 Uhr die Fähre zurück nach Wando erwischen. Also mit dem Taxi zum Terminal und was sahen wir: Niemanden! Kein Mensch am Ticketschalter. Wir klingelten die Information herbei und man sagte uns, dass das Schiff heute am Internationalen Terminal abfährt, etwa 1km entfernt. Wir schnappen also das nächstbeste Taxi (war besetzt, hat aber keinen gekümmert und für einen kleinen Bonus war der Fahrer gern bereit etwas schneller zu fahren) und rasten zum anderen Terminal, wo wir dann auch die Fähre noch gut erreicht haben. Nach 3 Stunden Rückfahrt (diesmal kein Zwischenstop in Chu-ja) waren wir dann wieder in Wando. Auf ins Auto und auf den Weg nach Hause. Kurz hinter Daecheon standen wir dann im Stau, im Sonntagnachmittag-Monsterstau in Richtung Seoul, genau gesagt: 120km Stau auf drei Spuren!!! Tapfer kämpften wir uns dann 50km durch den Stau, als plötzlich an unserem treuen Starex (das ist das Modell unseres Vans) die Motorwarnleuchte anging und der Motor nur noch wiederwillig hochdrehte… Wir also runter von der Autobahn und am nächten Platz rechts ran. Was machen also ein E-Techniker, ein Wirtschaftler und ein Softwaretechniker mit einem kranken Auto ohne Handbuch und ohne Licht? Sie sind erstmal ratlos. Glücklicherweise fanden wir noch die Visitenkarte eines französichen Kollegen vom TCK im Wagen, den wir dann erstmal belästigten (Mittlerweile war es 8 Uhr Abends am Sonntag). Er meinte, da könne nicht viel passieren, wir sollen einfach Überland weiterfahren, das würde schon gehen. Also ging es weiter. Und er hatte recht, das Auto erholte sich nach etwa 20km wieder und verhielt sich zunehmend normal, also nochmal Glück gehabt. Wir sind dann irgendwann um Viertel nach 9 Abends wieder am TCK angekommen, also beinahe 10 Stunden nach der Abfahrt in Wando (für weniger als 400km!).

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