Klein-Amerika und das War Memorial

Der letzte Blog-Eintrag ist schon eine ganze Weile her, aber ich war seither nicht nur zu Hause und habe Däumchen gedreht. Deshalb versuche ich jetzt ein wenig aufzuarbeiten, was ich seither gesehen und erlebt habe.

Vor zwei Wochen war ich in Iteawon. Itaewon ist das Viertel von Seoul, wo man hingeht, wenn man sich nicht so fühlen möchte, als ob man in Korea ist. Dort gibt es allerlei internationale Restaurants und Bars, aber das Viertel ist hauptsächlich in Amerikanischer Hand. Das liegt vermutlich daran, dass die Yongsan Base der US-Army nur einen Steinwurf weit entfernt ist. Ich habe Itaewon tagsüber besucht, daist von dem regen Treiben, dass Abends hier abgehen soll nicht so viel zu spüren gewesen. Es gibt eine Menge von Antiquitätenläden und kleinen Ständen, die Souvenirs an die Touristen verkaufen wollen. Ganz witzig ist dort, dass man auch Läden für echte texanische Cowboystiefel etc. finden kann, was man ja so in Seoul nicht unbedingt erwarten würde.

Nachdem ich so die Itaewon entlang geschlendert war habe ich mich in Richtung des War Memorial Museums aufgemacht. Das ist die Gedenkstätte für den Korea-Krieg. Meine Eindrücke dort mögen jetzt ziemlich deutsch sein und ein Koreaner mag das anders sehen, aber sie spiegeln meine Meinung wieder. Gleich am Tor wird man von einem relativ großen Soldatenstandbild empfangen, das heldenhafte Krieger in der Schlacht zeigt, vielleicht nicht ganz das was man von einem Museum erwarten würde, das dem Koreakrieg gedenkt (wie gesagt, nur mein Eindruck). Dahinter findet man dann ein riesiges Feld mit allerlei Kriegsgerät, vor allem Kampfflugzeuge und Panzer, sowohl aus dem Koreakrieg als auch moderneren Datums.Ich habe mir sagen lassen, dass das angeblich die größte Sammlung solcher Dinge weltweit sei. Den Hauptteil bildet das War Memorial Museum. Meinen Eindrücken nach lässt sich das Museum in drei Teile einteilen: Einen der sich mit der (militärischen) Historie Koreas beschäftigt, einen zum Korea Krieg selbst und einen für alles danach. Der Historische Teil war sehr interessant, man konnte sehen, dass Asien was die Technologie anbelangte Europa damals wesentlich voraus war (siehe z.B. Schießpulver). Es wurden alle Epochen von der Jungsteinzeit bis zur Neuzeit beleuchtet, mit Schwerpunkt auf der Jeoson-Dynastie (wie üblich). Der Teil zum Koreakrieg war sehr faszinierend, da er wirklich sehr ausführlich auf die Abläufe und Hintergründe einging. Hier konnte ich viel lernen, das ich so noch nicht wusste. Der dritte Teil (die Zeit nach dem Koreakrieg) hat bei mir zwiespältige Eindrücke ausgelöst. Zum einen habe ich viel neues dazugelernt (z.B. wusste ich nicht, dass so viele Koreanische Soldaten in Vietnam beteiligt waren), zum anderen war es für mich etwas befremdlich, dass in einem Museum die Koreanische Armee so ausführlich beweihräuchert wurde. Es wird in epischer Breite auf alle Waffengattungen und ihre “Leistungen”eingegangen und die moderne Waffentechnik made in Korea vorgestellt. Für mich war das sehr ungewohnt, aber ich denke für die Koreaner gehört das vor dem Hintergrund der Bedrohung durch den Norden wohl irgendwie zum Selbstverständnis. Ganz witzig fand ich ja, dass es im War Memorial noch einen Saal für Wedding Ceremonies gibt, wem’s gefällt…

Alles in allem ein wirklich sehr interessanter Tag.

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