Es Weihnachtet

Abgelegt unter: Sightseeing on Dienstag, Dezember 13th, 2005 by Ralf | Comments Off

In der letzten Zeit war ich etwas faul, was das bloggen angeht, aber hier noch die Nachräge für das letzte Wochenende…
Am Samstag war ich in Seoul unterwegs um den, vom Lonely Planet Reiseführer beschriebenen “between the palaces walk”, eine nette “Wanderung” durch die klare kalte Winterluft zu machen, die in der Nähe von Gyeongbokgung, die an traditionellen Geschäften vorbei zu einem Aussichtspunkt mitten in einem Viertel mit traditionellen Häusern führen soll. Leider war ich entweder zu blöde den beschriebenen Anfang zu finden, oder die Beschreibung ist einfach schon zu alt. Ich bin dann einfach so auf gut Glück in die Richtung gestiefelt und auch mitten in einem Viertel von traditionellen einstöckigen Häusern angekommen, aber von Aussichtspunkt kann man da nicht sprechen, man sah außer den Häusern nicht viel. Die Gebäude waren sehr schön und die Bewohner müssen wohl einigermaß wohlhaben sein, wenn man die Grundstückspreise in Seoul kennt. Auf dem Rückweg bin ich dann noch an einem ganz witzigen Tibet-Museum (eigentlich ein Museumchen) vorbeigekommen. Da es momentan in Korea ziemlich kalt ist, stand mir der Sinn nach Indoor-Sightseeing, also Museum.

Apropos kalt, es ist schon krass wenn man in Seoul überall Mädels und junge Frauen in Miniröcken sieht, bei diesen Temperaturen. Da wird es einem ja schon beim Hinsehen kalt, unglaublich. Die Koreanerinnen müssen entweder sehr kältunempfindlich sein, oder sie liegen nachdem sie so unterwegs waren tagelang erkältet flach, was auch immer. Aber Fashion steht hier bei der Damenwelt eben hoch im Kurs.

Aber zurück zum Museum. Da ich schon in der Nähe war, entschied ich mich ins Korean Folk Museum beim Gyeongbokgung Palast zu gehen. Als ich da ankam, kam mir vor dem Eingang aber schon einer der Sicherheitsmenschen entgegen “We’re closing…”. Hallo? Es war 16.45 Uhr an einem Samstag in Seoul und das Museum schließt. Ewas frustriert und leicht frierend machte ich mich also wieder auf den Weg. Etwas warmes musste her, koste es was es wolle. Also nichts wie rein in einen der omnipräsenten Starbucks und einen leckeren Grande Caramel Mocha bestellt, der zwar mehr als ein normales Mittagessen kostet, aber mit 5.300 Won eigentlich preislich wirklich noch OK war und doch eine schöne Abwechslung nach dem hier sonst üblichen Instant-Kaffee darstellte.

Nachdem ich mich dort wieder aufgewärmt hatte war es draußen auch schon dunkel geworden und ich war etwas verblüfft: Überall waren die Bäume usw. mit Lichterketten geschmückt, alles glitzerte. Es wurde also in ganz großem Maßstab auf Weihnachten gemacht. War schon etwas überraschend, aber für solche Sachen scheinen die koreaner sehr empfänglich zu sein. Also bin ich einfach noch ein bißchen so durch die City geschlendert. Irgendwann kam ich an der City-Hall an, wo eine Mischung aus Demonstration und Konzert stattfand. Eine Menge Menschen waren da mit Kerzen versammelt und sangen mit einer Schar auf der Bühne irgendwelche Lieder. Was das genau war weiß ich nicht, die einen meinten was Religiöses, die anderen sagten das sei eine Demo für Menschenrechte in Nordkorea. Das hab ich mir dann auch noch ein bißchen angeschaut, dann war mir aber wirklich kalt und ich hab mir am Namdaemun den nächsten Bus nach Ori geschnappt und mich auch den Heimweg gemacht.

Kalter Schnee und heiße Rhythmen

Abgelegt unter: Leben in Korea on Sonntag, Dezember 4th, 2005 by Ralf | Comments Off

Nach meinem etwas erfolglosen Shopping-Abenteuer wollten wir Abends noch zusammen mit Marco, dem Kollegen aus Daejon, den wir schon in Gangnam getroffen hatten noch nach Hongdae um dort die Clubs unsicher zu machen. Als wir uns also auf den Weg zum Bus nach Seoul machten, stellten wir fest, dass es einigermaßen heftig zu schneien begonnen hatte. Immerhin das Wetter scheint sich also von der allegenwärtigen Weihnachtsmusik beeindrucken zu lassen und sorgt für die passende Stimmung. Die letzten Tage war es ja schon bitterkalt, aber trocken. Nun fiel also die erste weiße Pracht dieses Winters vom Himmel. Die erste Auswirkung des Schnees, die wir zu spüren bekamen, war die Tatsache, dass der Busfahrer seeehr vorsichtig fuhr und die Fahrt so etwas länger wurde (interessanterweise gab es außnahmsweise keinen Stau, warum auch immer). Irgendwann waren wir dann in Jamsil angekommen (eigentlich wollten wir ja weiter, aber leider haben wir den falschen Bus genommen, Linie 1005-1 ist eben nicht Linie 1005 :-)) Nach einer 45minütigen Bahnfahrt waren wir dann in Hongdae angekommen. Hongdae ist das Gebiet um die Hongik Universität, dort ist eine sehr hohe Dichte von Bars, Clubs usw. vereint. Erstmal sind wir in einen “Hof”, das ist eine koreanische Spezialität. Dort gibt es sehr günstiges Fassbier, aber man muss unbedingt etwas zu essen dazubestellen, dessen Qualität und Quantität sehr stark schwankt. Aber da wir alle noch Hunger hatten, war das genau der richtige Ort für uns. Frisch gestärkt ging es dann auf ins M2, den wohl angesagtesten Nicht-HipHop Club Seouls. Dort wird Techno und Progressive-House gespielt, also ganz meine Wellenlänge. Der Club war als wir ankamen sehr voll, aber nicht überfüllt, genau richtig. Dort trafen wir mal wieder durch Zufall einen Kollegen von Bosch, wie könnte es auch anders sein. Später trafen wir dann noch auf Kurt, einen Dänen, der wirklich etwas schräng drauf war, aber sehr nett. Michael hatte ihn schon vor ein paar Wochen dort kennengelernt. So tanzten wir die ganze Nacht durch, bis wir uns dann um halb 6 auf den Weg nach Hause machten. Um halb 8 war ich dann zu Hause und habe mich erstmal ins Bett gelegt…

Um 14 Uhr bin ich dann wieder aufgewacht und konnte die verschneite Umgebung hier bewundern. Alles war mit einem leichten weißen Zuckeguss überzogen und auf den Straßen waren mächtige Staus, da die Einheimischen hier wohl auch nicht so mit diesem Wetter vertraut sind. Lustig war auch, dass man keinen Winterdienst auf den Straßen sah, was uns schon auf der Heimfahrt im Bus aufgefallen ist. Die Straßen, selbst die Expressways, waren nicht geräumt. Der Schnee wird uns wohl die nächste Zeit erhalten bleiben, da die Wettervohersage für die nächsten Tag Temperaturen weit unter 0° ankündigt, wenn auch kein weiterer Schnee mehr fallen soll. Ich lasse mich überraschen, denn unser Kollege Mr. Kim, mit dem wir die CarLife Show besucht hatten meinte neulich, dieses Jahr solle sehr schneereich werden, wenn es nach den Meteorologen ginge. Na dann…

Im Shopping Fieber

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Sonntag, Dezember 4th, 2005 by Ralf | Comments Off

Nachdem eine meiner Hosen (aus Deutschland wohlgemerkt) nach kurzer Zeit leichte Auflösungserscheinungen zeigte, wollte ich mal schauen, wie es denn in Korea so mit Klamotten steht. Da Samstag war ging ich gleich am Vormittag los und fuhr erstmal mit der U-Bahn nach Gasan Digital Complex. Dort soll ein Outlet Shoppingcenter namens “Mario” sein, das als Geheimtipp gilt, wenn es um günstige ungefälschte Markenkleidung geht. Meine Informationen waren wohl etwas veraltet, denn dort gab es nicht nur Mario, sondern noch andere Outlet Center. Direkt beim Ausgang der Metro liegt das SJ-Outlet, das einen auch sofort mit extrem lauter Weihnachtsmusik begrüßte. Unter Weihnachtsmusik muss man sich hierbei bekannte amerikanische Weihnachtslieder mit koreanischem Text und massenkompatibler Unterlegung mit Dance-Beats vorstellen, sehr subtil also. Also erstmal in das SJ-Outlet rein. Dort gab es vorwiegend Bekleidung für junge Koreanerinnen und Unmengen an wirklich günstigen Anzügen, wenn es an die Herrenmode ging. Also nichts das was ich suchte.

Einige Meter weiter kann man dann das Mario-Outlet kaum übersehen, eigentlich die Mario-Outlets, denn es gibt mittlerweile auch ein Mario2. Also, erstmal in Mario1 rein. Dort gab es auch eine sehr große Auswahl an verschiedenen Marken, immer schön in eigene kleine Shops aufgeteilt. Hier war wiederum die Damenmode klar in der Mehrheit, aber es gab auch genügend Herrenkleidung und außerdem sehr viel an Sportkleidung und Sportschuhen. Das ganze ist meistens Ware der letzten Saison und dafür so zwischen 30-70% reduziert, was aber nicht heißt, dass es billig ist. Denn ein Tommy Hilfiger Pullover der mit 40% Rabatt noch immer 150.000 Won kostet ist nicht grade ein Schnäppchen. Es gab auch wirklich eine große Auswahl an Hosen, aber da stieß ich auf zwei Probleme: Erstens gefällt mir der Hiphop-Style überhaupt nicht, was schonmal gute 70% des Angebots disqualifizierte und zweitens die Größen. Nicht etwa, dass es keine Hosen in meiner Größe geben würde, nein, aber die Hosen sind allesamt viel zu lang, auch die kleinen größen. Eigentlich seltsam, denn für koreanische Verhältnisse bin ich eher etwas über dem Durchschnitt, was die Körpergröße angeht.

Nachdem ich in de Outlet Shops also erfolglos war, bin ich dann nach Myeongdong gefahren, dort sind sehr viele Boutiquen und Markenshops. Myeongdong ist der Ort, wo die koreanische Jugend hingeht um moderne Kleidung zu kaufen, also das was man auf den großen Märkten wie Dongdaemun und Namdaemun nicht findet. Dort ist wirklich alles, was an internationalen Marken bekannt ist, vertreten. Lustig ist es nur zu sehen, dass direkt vor den Markenshops auf den üblichen Ständen Unmengen an schlechten Fälschungen (allen voran die allgegenwärtigen Louis Vuitton Imittate) verkauft werden, und es keinen zu kümmern scheint. Leider war meine Ausbeute dort auch nicht größer, so dass ich ewas frustriert wieder gen Ori fuhr.

Autos, Reis und Hightech - Ausstellungsbesuche im Coex

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Sonntag, November 27th, 2005 by Ralf | Comments Off

Dieses Wochenende findet im Coex (Convention&Exhibition Center) in Seoul die CarLife Ausstellung statt. Im Vorfeld wurde bei uns in der Abteilung Werbung dafür gemacht, weshalb wir dann planten da auch hinzugehen. Die Ausstellung sollte eine Art Tuning und Autozubehör-Show sein. Unser koreanischer Kollege Mr. Kim wollte auch da hin (halb dienstlich, um Informationen über neue Trends zu sammeln), also verabredeten wir, uns zuvor zum Mittagessen zu treffen und dann gemeinsam hinzufahren. Dort angekommen waren wir erst etwas enttäuscht, denn die Ausstellung war wesentlich kleiner als wir dachten. Aber es gab doch einige sehr hübsche Autos und auch ein paar nette koreanische Models, die sich auf, in und neben den Fahrzeugen räkelten. Eigentlich brauchte man nur zu schauen, wo eine Meute von bestimmt 30 ode 40 Fotografen um einen Wagen standen, dann konnte man sicher sein, dass dort auch ein Model war. Gleich am Eingang stand ein sehr hübscher Lamborghini Murciellago, nebst zwei Models. Ein koreaner war die ganze Zeit damit beschäftigt, im Wagen am Gaspedal zu spielen und die Drehzahl hochzujagen. So impossant der Sound und das Aussehen des Wagens war, so erbärmlich stank er auch nach Abgasen. Auch die anderen Autos waren nicht schlecht, eine neue S-Klasse von Mercedes, eine Dodge Viper, ein McLaren SLR und noch einige getunte asistische Sportwagen wie Tuscani oder Toyota Supra standen rum. Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte. Die anderen Dinge die ausgestellt wurden, waren teilweise wirklich witzig. Es gab biocodierte Plastikstäbchen für den Tank, die den Verbrauch angeblich um 50% senken, es hatte auch Injektorreinigungstabletten für Diesel (Mr. Kim meinte der Injektor wäre danach schon sauber, aber eher deshalb, weil er verstopft und ein neuer gekauft werden muss), Spannungsstabilisatoren für die Batterie usw. Ein Teil war aber auch eher konventionelles Tuning-Zubehör wie Spoiler, Rückleuchten, Endrohrer usw. Nach zwei Stunden sind wir dann weitergezogen, da wir alles gesehen hatten.

Durch Zufall entdeckten wir, dass auch noch andere Ausstellungen stattfanden, also gingen wir erstmal in die “Rice and Fermented Food Expo”. Dort gab es Reis in allen Sorten, Formen und Darreichungsformen. Wir waren etwas enttäuscht, dass wir im Bereich der fermentierten Nahrungsmittel keinen einzigen Stand mit Kimchi (vermutlich gibt es eine ganze Messe extra für den Kimchi) gefunden, aber dafür jede Menge andere scharfe Gemische von Gemüse, Fisch, Meeresfrüchten usw. die sehr beliebt als Side-dishes sind. Wir mussten als Westler überall probieren, denn das Standpersonal wollte hören, wie uns ihre Produkte schmecken und ich muss zugeben es war alles wirklich lecker. Das absolute Highlight war, als wir Onion-Jam, also Zwiebelmarmelade, probieren sollten. Wir hatten ja schon die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich des Geschmacks, aber das Zeug war wirklich klasse, zwar nicht vom Aussehen her, aber vom Geschmack. Es schmeckte ähnlich wie Apfelmarmelade, es war wohl sehr viel Zucker drin.

Nachdem wir uns durch die ganze Messe probiert hatten, gingen wir dann noch zur “FutureTech Korea 2005″. Diese Messe soll die Ergebnisse eines neuen Programms des Vize-Premierministers für Wissenschaft und Technologie demonstrieren. Allein die Existenz dieser Position innerhalb der Regierung zeigt, dass Korea sehr technikgläubig ist und alles darauf ausrichtet durch technologische Überlegenheit am Weltmarkt Wohlstand und Wachstum zu erreichen. Ausgestellt waren Exponate aus fast allen Bereichen der modernen Technologie. Angefangen von Robotern, die Serviceaufgaben übernehmen oder Getränke servieren, über Plasmafernseher, Mobilfunk der 4. Generation (der Nachfolger von UMTS), der ganze Filme in HDTV übertragen soll, Fahrzeuge mit Brennstoffzellen oder Hybridantrieben, Kernkrafttechnologie, Nanotechnologische Werkstoffe, Gentechnik (besonders witzig: gentechnisch veränderter Chili) usw. Das ganze war sehr faszinieren und man konnte teilweise die neue Technologie wirklich schon anfassen.

Gegen 6 Uhr waren wir dann fertig und sind mit Mr. Kim im Foodcourt der Coex Mall (eine riesige Einkaufspassage im Coex) zum Essen gegangen. Danach sind wir wieder nach Ori gefahren und haben in der Wa-Bar (unsere Lieblingskneipe) zusammen mit ihm noch ein paar Bierchen getrunken und uns bis nach Mitternacht mit ihm unterhalten. Es war wirklich sehr interessant, ein paar Einblicke in die koreansiche Gesellschaft von jemanden zu bekommen, der selbst von sich sagt, dass er ein absolut untypischer Koreaner ist.

Ein Besuch auf der Honeymoon-Insel - Zwei Tage auf Jeju-do

Abgelegt unter: Sightseeing on Montag, November 21st, 2005 by Ralf | Comments Off

Ein Ausflug nach Jeju gehört eingentlich zu jedem Koreaaufenthalt. Da konnten wir uns natürlich nicht entziehen und mussten auch nach Jeju. Also den Freitag freigenommen und auf über’s Wochenende nach Jeju. Am Donnerstag sind wir (das sind Andrew, Michael und ich) um 6 Uhr Abends aus dem Büro raus und direkt in unseren Van (den wir uns freundlicherweise von der Firma leihen konnten) und auf den Highway. Nach 5 1/2 Stunden sind wir dann auch schon in Wando, einer Küstenstadt an der Südspitze Koreas. Dort haben wir uns ein günstiges Motel genommen (es war mal wieder Schlafen auf dem Boden angesagt, also ganz traditionell) um dann am nächsten Morgen gleich um 8 auf die Fähre nach Jeju zu kommen. Die Überfahrt war etwas surreal. Wir hatten 3. Klasse gebucht (also die niedrigste), da gibt es nur mit Fußboden ausgelegte Parzellen um Schiff, in denen man liegt, sitzt, steht, was auch immer. So sind wir dann 5 1/2 Stunden mit der Fähre gen Jeju getuckert und haben die meiste Zeit geschlafen. Nach einen kleinen Zwischenstop auf Chu-Ja, einer kleinen Insel vor Jeju, sind wir dann in Jeju (genauer in Jeju-Si, also der Stadt Jeju, im Gegensatz zu Jeju-Do der Insel) angekommen.

Am Hafen von Jeju wartete auch schon unser Mietwagen, da wir unseren Van in Wando abgestellt haben. Dank Navigation (kriegt man hier gratis, wenn man den Wagen Vollkasko versichert) war das Zurechtfinden auf der Insel mit ihren etwa 60×40km Ausdehnung ein Kinderspiel. Aber zuerst sind wir einfach der Küstenstraße gefolgt und sind von Jeju-Si Richtung Westen gefahren. Dort haben wir an einigen Stellen Halt gemacht und die tollen Lava-Felsen (Jeju ist eine Vulkaninsel, mehr dazu später) und das klare blaue Wasser vor Piyang-Do (wie der Name “Do” schon sagt, auch eine Insel) angesehen. Unterwegs hat sich Michael dann noch am Wegesrand zwei Mandarinen “geborgt”, da hier sehr berühmte Mandarinen wachsen, die an jeder Ecke angepflanzt werden. Dann haben wir uns nach Süden vorgearbeitet, in Richtung Seogwipo (bekannt von der Fussball WM 2002, da war einer der Spielorte). Etwas westlich von Seogwipo liegt der Yakcheonsa Tempel, unser erstes Ziel dort. Dieser Tempel wurde erst vor einigen Jahren erbaut und soll der größte buddhistische Tempel Asiens sein. Das Hauptgebäude ist von Außen schon wundervoll, aber das Innere des Tempels war der Wahnsinn. Der gesamte Innenraum war extrem prachtvoll ausgestaltet und nahm einem beinahe die Sprache. In den oberen Stockwerken stehen 18000 kleine Buddha-Statuen, die einen echt tollen Anblick bieten.

Nach dem Yakcheonsa sind wir zum Jeongbang Wasserfall gefahren, einem sehr schönen Wasserfall, der direkt ins Meer geht (auch das soll in Asien einzigartig sein, aber genau weiß das wohl keiner). Wir kamen passend zum Sonnenuntergang dort an und der Anblick war sehr schön. So schön, dass Michael beim Herumklettern auf einigen Felsen im Meer ein unfreiwilliges Bad nahm :-) Danach sind wir dann wieder nach Jeju-Si zurückgefahren und haben uns erstmal ein Motel gesucht (klar, wieder mit Bett auf dem Boden). Anschließend haben wir uns zum Abendessen lokale Spezialitäten gegönnt, nämlich Fleisch von Schwarzen Schweinen, als Galbi und Ssamgyeopsal zubereitet. Der Geschmack war wirklich anders als “normales” Galbi oder Ssamgyeopsal und sehr lecker. Zum Ausklang des Tages sind wir dann noch in das Nachtleben Jejus mit einer Kneipentour eingetaucht.

Am zweiten Tag war unsere erste Station der Seongsan Ilchulbong, der Sunrise Point an der Ostküste. Leider waren wir etwas spät für den Sonnenaufgang, aber das machte nichts. Der Seongsan ist ein kleiner Vulkankrater von 182m Höhe. Über komfortable Stufen sind wir zum Gipfel gestiegen uns haben den Ausblick auf das Ostmeer genossen. Der Berg ist ganz witzig, da war wohl mal eine Festung drauf und es gibt hier wohl drei Felsen, die zum Rang eines Captains befördert wurden, weil sie so vielen Angreifern das Leben gekostet haben. Anschließend ging es weiter zum Sangumburi, einem weiteren Krater, der sehr berühmt ist. Hier kommt man ganz einfach auf den Rand des Kraters und kann von dort 100m tief in den Krater hinunterschaun. Es gibt auch einen Weg auf dem man um den gesamten Krater herumgehen kann. Dort haben wir dann auch ein kleines Mittagessen zu uns genommen und sind frisch gestärkt zum Hallasan, dem Mount Halla aufgebrochen. Der Hallasan ist der höchste Berg Jejus und Koreas, und auch ein Vulkan, der wohl die Insel Jeju geformt haben muss. Das Wetter am Hallasan ist sehr wechselhaft und wir waren auch erst am Nachmittag da, weshalb uns von einem Aufstieg zum Gipfel (5 Stunden) auf 2000m Höhe abgeraten wurde. Wir wollten auch nur bis zu einer Hütte gehen, die nach etwa 6km Weg zu erreichen ist. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten wegen aufziehenden Regenwolken nach 2,5km wieder umkehren und uns auf den Abstieg machen. Nächste Station war die “Mysterious Road”, eine Straße, die aussieht als würde sie ansteigen, in Wirklichkeit aber fällt. Zuerst waren wir skeptisch, aber als unser Auto dann im Leerlauf den “Berg hinauf” rollte waren wir verblüfft. Zur Sicherheit kauften wir ein paar Dosen an einem der Stände neben der Straße und probierten es nochmal aus (hier das Video (5MB, Quicktime)) und es funktionierte tatsächlich. Letzte Station unserer Tour war der berühmte Yongduam Felsen in Jeju-si. Der Fels ist eine Attraktion für alle Flitterwöchner (Jeju ist das beliebteste Ziel für frisch verheiratete Paare in Korea) und es ist in den Flitterwochen quasi ein Muß sich vor dem Felsen fotografieren zu lassen. Der Fels sieht (oder vielmehr sah) aus wie ein Drache, eigentlich wie ein kopfloser Drache, denn vor einigen Jahren hat ein Blitz den eigentlichen Kopf abgesprengt, trotzdem sieht der Fels immernoch irgendwie wie ein Drache aus. Da wir noch einige der leckeren Mandarinen aus Jeju kaufen wollten, um sie den Kollegen im TCK mitzubringen sind wir dann noch auf einen lokalen Markt gefahren und sind über den noch ein wenig geschlendert. Wir haben dann eine Kiste Mandarinen (50 Stück) für 5000 Won erstanden was wirklich sehr günstig war. Nach unserer langen Besichtigungstour haben wir uns wieder ein Motel genommen und unseren Mietwagen zurückgegeben. Dann kam noch ein kleines Highlight für den Abend, wir waren rohen Fisch essen. Das ganze war zwar richtig Teuer (80000 Won für uns drei, ohne Getränke, aber Andrew hat die Bedienung auf 70000 runtergehandelt), aber unglaublich lecker. Der Fisch war beste Qualität, mit der Angel gefangen und noch lebendig im Restaurant. Dazu gab es unglaublich viele Side-dishes wir Austern, Garnelen, Backfisch, Tintenfisch, Fischsuppe, Reis etc. Zuerst hatten wir bedenken, dass wir satt werden, aber am Ende konnten wir keinen Bissen mehr runterbekommen, so voll waren wir. Kann man also jedem Sushi und Sashimi-Freund nur empfehlen.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn wir mussten um 8.20 Uhr die Fähre zurück nach Wando erwischen. Also mit dem Taxi zum Terminal und was sahen wir: Niemanden! Kein Mensch am Ticketschalter. Wir klingelten die Information herbei und man sagte uns, dass das Schiff heute am Internationalen Terminal abfährt, etwa 1km entfernt. Wir schnappen also das nächstbeste Taxi (war besetzt, hat aber keinen gekümmert und für einen kleinen Bonus war der Fahrer gern bereit etwas schneller zu fahren) und rasten zum anderen Terminal, wo wir dann auch die Fähre noch gut erreicht haben. Nach 3 Stunden Rückfahrt (diesmal kein Zwischenstop in Chu-ja) waren wir dann wieder in Wando. Auf ins Auto und auf den Weg nach Hause. Kurz hinter Daecheon standen wir dann im Stau, im Sonntagnachmittag-Monsterstau in Richtung Seoul, genau gesagt: 120km Stau auf drei Spuren!!! Tapfer kämpften wir uns dann 50km durch den Stau, als plötzlich an unserem treuen Starex (das ist das Modell unseres Vans) die Motorwarnleuchte anging und der Motor nur noch wiederwillig hochdrehte… Wir also runter von der Autobahn und am nächten Platz rechts ran. Was machen also ein E-Techniker, ein Wirtschaftler und ein Softwaretechniker mit einem kranken Auto ohne Handbuch und ohne Licht? Sie sind erstmal ratlos. Glücklicherweise fanden wir noch die Visitenkarte eines französichen Kollegen vom TCK im Wagen, den wir dann erstmal belästigten (Mittlerweile war es 8 Uhr Abends am Sonntag). Er meinte, da könne nicht viel passieren, wir sollen einfach Überland weiterfahren, das würde schon gehen. Also ging es weiter. Und er hatte recht, das Auto erholte sich nach etwa 20km wieder und verhielt sich zunehmend normal, also nochmal Glück gehabt. Wir sind dann irgendwann um Viertel nach 9 Abends wieder am TCK angekommen, also beinahe 10 Stunden nach der Abfahrt in Wando (für weniger als 400km!).

Fussball-Fieber und ein Abend unter Koreanern

Abgelegt unter: Leben in Korea on Montag, November 14th, 2005 by Ralf | Comments Off

Nachdem ich in Insadong war wartete noch ein Highlight am Abend auf mich. Wir hatten Karten für das Freundschaftsspiel zwischen Südkorea und Schweden im Seouler Worldcup Stadium. Wir das sind Andrew (eigentlich ja JiWook, ein koreanischer Praktikant bei RBKR, er hat die Karten besorgt), Michael, Nils, Sascha, Ji-Hun (ein koreanischer Kollege, der sechs Jahre in Bremen studiert hat) und ich. Wir hatten die Karten sehr güstig bekommen, da Andrew in einem Fanclub der koreanischen Nationalelf ist und so günstig an die Karten kam. Einziger Haken, unsere Plätze waren mitten im Koreanischen Fanblock in der Kurve, vierte Reihe von vorn, also sehr nah am Geschehen. Bevor das Spiel losging, betrat eine traditionelle Fanfaren und Trommelgruppe das Spielfeld, die allerdings nicht die Hymnen spielte, die kamen vom Band. Die Koreanischen fans gingen voll ab während des Spiels, sobald ein roter Spieler den Ball in der eigenen Hälfte hatte brach infernalischer Jubel aus. Das Spiel war sehr munter, Korea hatte die besseren Chancen war aber sehr schlecht im Abschluss. Die Atmospähre war wirklich ausgezeichnet, es war tolle Stimmung und alles war sehr zivilisiert und friedlich, sogar im Fanblock mit den Hardcore Fans. Am Ende ging das Spiel dann 2:2 aus, für ein Freundschaftsspiel sicher ein schönes Ergebnis.

Nach dem Spiel gingen wir dann noch mit den anderen Red-Devils (so heißt der Fan-Club) zum Essen und vor allem Trinken. Wir fielen also etwa 40-Mann (und Frau, hier sind bestimmt 50% der Fans weiblich) hoch in einem sehr günstigen Restaurant ein. Günstig deshalb, weil man für 6000 Won (5 Euro) soviel Galbi und Ssamgyeopsal (auf dem Tisch gegrilltes Fleisch) essen konnte wie man wollte oder konnte. Einzig die Getränke musste man bezahlen. Wie üblich wurde zu dem relativ fetten Fleisch natürlich Soju getrunken, oder soll ich lieber sagen “gesoffen”. Sag noch einer, dass die Asiaten keinen Alkohol vertragen, man oh man. Ständig wurde nachgeschenkt und es hieß dann wieder “One Shot! One Shot!!!”, und wieder waren 2cl Soju weg. Soju ist der traditionelle koreanische Alkohol, oder besser Fusel. Das Zeugs hat 20%, schmeckt nach wenig, und ist im großen und ganzen wie schwächerer Wodka. Da wir die Wirkung des Gesöffs nicht kannten tranken wir feste mit und irgendwann traf es uns auch wie ein Hammer, das Zeug war sehr stark, zumindest, wenn man viel (und ich meine viel, nach dem 15. Glas haben wir aufgehört zu zählen, aber es werden wohl schon über 20 gewesen sein) davon trinkt. Einige der Koreaner sind dann noch am Tisch eingeschlafen, wir anderen zogen in die nächste Kneipe weiter. Dort wurde auch weitergetrunken, wozu dann einige Jiggae (Scharfe Eintöpfe) gerreicht wurden, die wohl gegen den Kater sind. Naja, wir haben uns wohl ganz gut gehalten, was Keeki, einem verrückten Koreaner, den Spruch “You are very strong guys” abnötigte. Da die letzte Bahn längst weg war, schlossen wir uns dann noch dem letzten Trupp an und gingen mit ihnen ins Noraebang, also zum Karaoke singen. Dank des Alkoholspiegels war das auch eine sehr vergnügliche Angelegenheit, bei der alle großen Spaß hatten. Naja, irgendwann war es dann 5.30 Uhr und die U-Bahn war wieder offen, also machten wir uns auf die Socken und kamen dann um 7.30 Uhr zuhause an. Über den Verlauf des restlichen Tages breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Es sei nur soviel gesagt: Children, don’t try this at home. Wir werden auf jeden Fall beim nächsten Mal nichtmehr versuchen mit den Koreanern im Trinken zu konkurrieren… Ich übertreibe etwas, wir waren dann am Abend noch bei Andrews Eltern zum Essen eingeladen und sind da dann auch in einigermaßen wiederhergestelltem Zustand eingetroffen und haben Deutschland würdig vertreten ;-)

Insadong

Abgelegt unter: Sightseeing on Montag, November 14th, 2005 by Ralf | Comments Off

Am Samstag bin ich nach Insadong gefahren, um mir das Treiben dort anzuschaun. Insadong ist das Kunst und Antiquitäten-Viertel von Seoul, angeblich sind 40% der Antiquitätenläden Koreas dort versammelt. also ging es mit der U-Bahn bis nach Jongno-3-ga (ja, so heißt die Station). Dort aus der Bahn raus traf mich beinahe der Schlag, mittlerweile ist man es ja von Seoul gewohnt, dass viel Los ist, aber das war die Härte. Man wurde eigentlich mehr geschoben, als dass man ging, sowas habe ich seither nur in London vom Picadilly-Circus gekannt. Bevor es nach Insadong rein geht liegt der Tapgol-Park am Weg, also habe ich mir erst einmal den angesehen. Kaum war man durch das Tor tauchte man in eine andere Welt ein, es war still, friedlich und nicht viel los. Selbst vom Verkehrslärm hörte man druch die Bäume fast nichts mehr. Der Name Tapgol kommt vom Koreanischen Wort für “Pagode”, die Sehenswürdigkeit hier ist eine 10-stöckige Marmorpagode, die leider gerade restauriert wird, und hinter einer Glasfassade ist. Der Park ist den Unabhängigkeitskämpfern des frühen 20. Jahrhunderts gewidmet, die hier zum ersten mal die Unabhängigkeitserklärung von Japan verlesen haben. Deshalb gibt es hier einige Reliefs und Statuen, die daran erinnern. Der Park selbst ist eher klein (vielleicht 200×300m), aber durch die vielen Bäume sehr schön.

Nach einiger Zeit ging ich dann wieder raus aus dem Park und rein nach Insadong. Dort war auch der Bär los, unglaubliche Menschenmengen, und sehr viele Ausländer waren hier unterwegs. Es war wirklich faszinierend die ganzen Läden mit Schnitzereien, Töpferware, Lack- und Papierschachteln usw. zu sehen. Daneben gab es viele Stände, die allerlei Krimskrams wie Armbänder, Ohrhänger und Räucherkerzen verkauften. Zwischen den Läden sind auch sehr viele Kunstgalerien, in denen man moderne koreanische Kunst erwerben kann. Die Preise in Insadong sind aber einigermaßen hoch, nach Schnäppchen als Souvernir muss man lange suchen. Aber die Stimmung dort zu beschreiben ist schwer, ich denke ein paar Bilder sagen da mehr als tausend Worte.

Was bei Gehen durch Jongno auffällt sind die vielen Juwelierläden, fast jedes zweite Geschäft hier verkauft Schmuck. Anscheinend ist hier soetwas wie das Zentrum für Eheringe usw., denn die meisten der Läden verkaufen hauptsächlich Trauringe. Die Krönung it ein Kaufhaus, das ausschließlich kleine Stände mit Ringen usw. beherbergt, davon aber bestimmt an die hundert. Aber solche Dimensionen ist man hier ja fast schon gewohnt, wenn es ums Shopping geht.

Ein etwas verrückter Ausflug nach Suwon

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Sonntag, November 6th, 2005 by Ralf | Comments Off


Gestern haben wir (Sascha, Michael und ich) Suwon besucht, um die berühmte Festungsmauer dort zu besichtigen. Da es mit der U-Bahn nach Suwon eine halbe Weltreise ist, weil man erstmal ins Stadtzentrum von Seoul muss, um umzusteigen, haben wir uns entschieden mit dem Bus zu fahren. Um sicherzugehen, dass wir den richtigen Bus nehmen haben wir zuvor unsere Teamassistentin Mrs. Lee gefragt. Als sie hörte, dass wir nach Suwon wollen, war sie hin und weg (sie ist sehr begeisterungsfähig) und bot uns an, uns dort rumzuführen. Gern willigten wir ein.

Leider ist Mrs. Lee etwas chaotisch (auf eine sehr liebenswerte Art und Weise), so dass wir sie natürlich erstmal nicht erreichen konnten, als wir nach 45 Minuten im Bus am Worldcup Stadium in Suwon angekommen waren, wo sie uns gesagt hatte, dass wir aussteigen sollten. Wir fragten also einen Passanten nach dem Weg zur Hwaseong Festung, der meinte erstmal, dass wir hier total falsch seien, wir sollen doch ein Taxi nehmen, zu Fuß sei das kaum zu schaffen. Haben wir dann auch gemacht. Der Taxifahrer, der glücklicherweise exzellent englisch sprach, weil er vor seinem Ruhestand als Manager einer Baufirma im Ausland gearbeitet hatte (hier wurde das fehlende Rentensystem in Korea offensichtlich) hat uns dann bis zum Haenggung Palast gefahren. Dort hatten wir ziemlich Glück, denn gerade begann eine Vorführung traditioneller Kampfkünste und in alten Uniformen gekleidete Kämpfer demonstrierten ihre Fertigkeiten mit Schwert und Speeren. Die Vorstellung war wirklich sehr beeindruckend. Anschließend haben wir den Palast besichtigt. Um auf die Festungsmauer der Hwaseong Festung zu kommen gingen wir also zum Paldalmun (das Südtor), wo wir dann von Mrs. Lee angerufen wurden. Sie hatte wohl verschlafen (es war grade 15 Uhr muss man dazusagen)… Wir sagten ihr, dass wir um die Festung gehen würden, und sie dann anschließend treffen würden. Also ging es los, wie hier schon üblich erstmal wieder ziemlich steil bergauf. Als wir etwa den halben Weg zum Westtor geschafft hatten, rief sie wieder an, wir sollten warten, sie sei in 10 Minuten bei uns. Nun gut, 30 Minuten und einige konfuse Telefonate später stand sie dann vor uns. Sie meinte, sie würde uns zum Nordtor fahren, damit von dort aus zum Westtor gehen konnten, da sei es viel schöner. Also auf in ihr Auto. Sie setzte uns an einem Tor ab und sagte, dass wir uns in 30 Minuten am Ost treffen würden. Wir sind also losgegangen und sind nach so etwa 15 Minuten am nächsten Tor, von dem wir dachten es sei das Osttor (Irrtum!!!), angekommen. Wir warten noch ein Weilchen, dann rief sie an, sie könne uns nicht sehen. Wir sahen uns um und stellten fest, dass wir am Nordtor waren, sie hatte uns am Westtor abgesetzt. Also sagte sie, wir sollen zurück wo sie uns abgesetzt hatte, da würde sie uns abholen… 15 Minuten später selbes Spiel: Wir am Westtor, sie nun am Nordtor, der leichten Sprachverwirrung sei dank. Naja, 5 Minuten später hatte sie uns dann gefunden und fuhr mit uns zum Westtor. In der Zwischenzeit war es schon dunkel geworden und wir konnten auf unserer kleinen Irrwanderung die Tore und die Mauer in einer tollen Beleuchtung bewundern, die für einiges entschädigte. Sie fuhr dann noch mit uns zum Osttor, das wirklich wunderschön war in der Dunkelheit.

Zum Abschluss wollten wir noch gemeinsam Essen gehen. Also wieder ab ins Auto und losgefahren. Plötzlich trat sie aus heiterem Himmel gnadenlos auf die Bremse (wir waren auf einer 6-spurigen Strasse!) und rief ganz verzückt “Mr. Yeon” und schaltete die Warnblinkanlage an ohne Anstalten zu machen die Straße freizumachen. Wir dachten in dem Moment, unser letztes Stündchen hätte geschlagen und jeden Moment würden wir über dne Haufen gefahren, aber weit gefehlt, nichtmal gehupt wurde (und das wird hier oft und gern), scheint also ein durchaus normales Manöver zu sein. Mr. Yeon ist ein Kollege aus dem TCK und lief wohl grade an der Straße entlang. Nach 5 Minuten hatte sie ihn zu uns ins Auto gepackt und wir waren wieder auf dem Weg zum Essen. Es gab Gamjatang, eine Suppe mit fleischigen Rippenknochen und Kartoffeln drin, war sehr lecker. Dazu wurde Soju (koreanischer Schnaps, so ähnich wie Wodka, nur nicht so stark) und Chung-Ju (auch Reisschnaps, aber süßer als Soju) getrunken. Zum Abschluss sind wir noch in eine Bar um ein Bierchen zu trinken, da haben wir dann mit einer weiteren koreanischen Spezialität bekanntschaft gemacht: Wenn man einen Kübel Bier (billiger als Flaschenbier) und Gläser bestellt muss man auch etwas zu essen dazubestellen… Also haben wir einen Teller mit Fruchtsalat und Sahne bestellt. Der Fruchtsalat bestand dann aus Äpfeln, Bananen, Kiwis und Cocktailtomaten. Als wir uns etwas über die Tomaten, die man übrigens auch mit Sahne isst, wunderten, meinten die Koreaner, das gehöre doch dazu.

Alles in allem ein etwas verrückter aber dennoch sehr schöner Tag. Sascha, der schon seit vier Monaten hier ist, meinte, dass wir jetzt mal einen ganz normalen Tag gesehen hätten, wenn man mit Koreanern unterwegs sei. Aber Mrs. Lee sei doch ein wenig eine Außnahme, die sei noch etwas chaotischer und hektischer als die anderen.

Tintenfisch und bunte Blätter - Eine Reise zur Ostküste

Abgelegt unter: Sightseeing on Dienstag, November 1st, 2005 by Ralf | Comments Off

Urlaub! Zwar nicht wirklich viel, aber immerhin zwei Tage. Da am 1. November unser Firmenfeiertag (Company Foundation Day) war, bot es sich an am Montag einen Tag frei zu nehmen und eine kleine Reise durch Korea zu unternehmen. Unser (d.h. Michaels und meines) Ziel war der Seoraksan Park an der Ostküste, ein Nationalpark mit vielen Bergen und atemberaubender Landschaft. Besonders im Herbst zieht der Park an den Wochenenden zigtausende Besucher an, da dort die herbstlich gefärbten Blätter besonders schön sind.

Wir machten uns also auf nach Sokcho, eine kleinere Stadt direkt an der Küste, von wo aus man den Park bequem mit dem Bus erreichen kann. Wir fuhren Sonntag Früh mit dem Limousinen Bus in Seoul ab und kamen knappe 4 Stunden und exakt 277,7km (laut Fahrkarte) später in Sokcho an. Dort standen wir zunächst etwas ratlos da, da Michael wie er 20km zuvor bemerkt hatte den Zettel mit dem Namen unseres Motels vergessen hatte. Also gingen wir auf die Suche nach dem Motel, von dem wir noch die ungefähre Lage wussten und die Telefonnummer hatten, was uns aber nicht half, da dort keiner Englisch sprach. Wir gingen also zu Fuss in die Richtung, wo das Hotel liegen musste. Nach 20 Minuten hatten wir genug und hielten ein Taxi an, drücktem dem Fahrer das Handy in die Hand und machtem ihm klar dass wir da hin wollten. Etwas peinlich war dann doch, dass er uns vielleicht 200m fuhr, dann standen wir auch schon vor dem Motel, das trotz des günstigen Preises von 34.000 Won die Nacht für ein Doppelzimmer sehr schön aussah, was auch für das Zimmer galt.

Hungrig machten wir uns auf die Erkundung der Stadt in Richtung des Hafens, wo laut unserem Reiseführer viele Fischrestaurants sein sollten. Erstmal hatte es dort wesentlich mehr Läden, die getrockneten Fisch in allen Varianten verhökerten, aber keine Restaurants. Irgendwann wurden wir von einer älteren koreanisch sprechenden Frau in ein Haus hereingeführt, das wohl ein Restaurant zu sein schien. Natürlich konnte keiner ein Wort englisch, aber wir haben dann nach den Bildern an der Wand bestellt. Wir bekamen also einen sehr schmackhaften Eintopf mit einem ganzen Fisch in Scheiben drin, der aber mit 20.000 Won auch nicht unbedingt billig war. Frisch gestärkt gingen wir dann weiter in Richtung des Fischmarktes, wo der frisch gefangene Fisch noch lebend verkauft wurde. Ein toller Anblick war das schon, die ganzen Bottiche mit verschiedensten Fischarten drin und der Geruch war auch eines Fischmarkts würdig. Gleich hinter dem Fischmarkt gab es die Hafenmauer, auf der wir ein bißchen gingen und den Blick auf die “East Sea” (hießiger Name für das Japanische Meer) genossen. Da es sehr windig war, war der Pazifik auch ziemlich aufgewühlt, so dass der Anblick wirklich imposant war. Wir machten uns auf den Rückweg um auf der anderen Seite von Sokcho noch den World Tourist Expo-Tower anzusehen und konnten sogar noch bis zur Aussichtsplattform hochfahren um die Aussicht aus 70m Höhe zu geniessen. Anschließend stürzten wir uns in’s hiesige Nachtleben (oder vielmehr das, was davon an Sonntag Abenden noch übrig ist, nämlich nicht viel, wenn die Touristen weg sind).

Am nächsten morgen ging es dann mit dem Bus auf nach Seorakdong, wo einer der Eingänge zum Seoraksan National Park liegt. Das Wetter war viel besser als am Sonntag, an dem es sehr diesig war und im Park anscheinend sogar geregnet hatte, auf jeden Fall hatten wir tollen Sonnenschein und eine recht gute Fernsicht. Die Koreaner hatten auch nicht übertrieben, die Blätter hier waren wunderbar in allen Rot- und Gelbtönen gefärbt und leuchteten sehr intensiv. Zuerst wollten wir zum Biryong Wasserfall gehen. Der Weg dorthin war relativ leicht und führte einen Canyon hoch an einem anderen Wasserfall vorbei. Auf dem Weg sahen wir Streifenhörnchen, die allerdings sehr schreckhaft waren, so dass wir sie nicht fotografieren konnten. Als wir nach einer Stunde am Biryong Wasserfall ankamen bot sich uns ein sehr schöner Anblick, auch wenn der Wasserfall nicht sehr groß war, da der Fluss wenig Wasser führte. Während der Schneeschelze oder in der Regensaison im Sommer soll das ganz anders sein. Nach einer kleinen Pause machten wir uns wieder auf den Rückweg, da wir noch eine andere Wanderung geplant hatten. Wir wollten zum Ulsanbawi, einem Felsgipfel der eine tolle Aussicht auf den Seoraksan Park und das Ostmeer bieten sollte. Der Weg führte an mehreren buddhistischen Klöstern und Klausen vorbei, so dass man immer wieder anhalten und schauen konnte. Zu Beginn war der Aufstieg relativ einfach, aber wir wussten, dass oberhalb der Gyejoam Klause ein sehr harter Abschnitt auf uns warten würde. Die Gyejoam Klause bietet eine besondere Attraktion, einen 16 Tonnen schweren Felsen, den eine einzelne Person hin- und herbewegen kann, ein Ort mit hoher spiritueller Bedeutung für die Buddhisten. Hinter Gyejoam ging es dann aber los, der Weg wurde zusehends steiler und dann kam der härteste Abschnitt der Tour: Da der Ulsanbawi hier fast senkrecht ansteigt wurden Stahltreppen in den Felsen befestigt, die es zu überwinden gilt. Diese Treppen bestehen aus mehr als 800 Stufen und es gab Abschnitte, die bestimmt mehr als 70° Steigung hatten. Dieser Abschnitt warf hin und wieder die Frage auf, ob die Koreaner noch ganz bei Trost sind, denn selbst sehr gebrechlich wirkende ältere Damen kraxelten mit normalen Straßenschuhen auf diesen Stahlstufen herum. Der Aufstieg über diese Treppen dauerte wohl so etwa 30 Minuten, dann war am Gipfelplateau des Ulsanbawi, angeblich der höchste freistehende Fels Asiens, auf 870m angekommen. Der Anblick den man dort oben zu sehen kam lies einen nur staunen. Zum einen, weil dort oben ein Souvenirstand war, der Goldmedaillen mit Namensgravur und Datum verkaufte, zum anderen wegen der Aussicht auf den Park und das Meer.

Am Abend gingen wir auf Anraten eines unserer Kollegen bei Bosch in den WaterPia Spa, ein riesiges Badezentrum, das aus einer Heil- und Thermalquelle gespeißt wird und in Korea wohl sehr bekannt ist. Das Bad bot wundervolle Massagebecken, heiße Quellen, Whirlpools, ein Wellenbad und eine tolle Saunalandschaft. Nach dem harten Tag nutzten wir dieses reichliche Angebot zum Relaxen und um unsere müden Knochen zu pflegen. Zum Abschluss gingen wir noch in den Bereich mit der Saunalandschaft und den Termalwasserbecken, und staunten nicht schlecht, denn in diesem Bereich war FKK pflicht, allerdings strickt nach Geschlechtern getrennt, aber trotzdem, das hätte man im konservativen Korea gar nicht erwartet. Wir setzten uns in ein Becken mit Thermalwasser uns kamen mit einigen jungen Koreanern ins Gespräch, die ebenfalls dort waren und englisch konnten, da sie 5 Jahre in den USA studiert hatten. Nachdem wir uns genügend entspannt hatten gingen wir noch auf ein paar Cocktails in eine Bar.

Am Dienstag wollten wir nochmal kurz in den Park, um mittels einer Seilbahn (Freihängend über 480 Höhenmeter!) auf den Gwongeumseong zu fahren, von wo aus man in einer halben Stunden zu den Überresten einer Burg auf dem Gipfel aufsteigen konnte. Leider hatte ich meine Kamera mit dem Rucksack unten eingeschlossen, so dass ich die wundervolle Aussicht, die sich von dort bot, nicht festhalten konnte. Nachdem wir den Blick vom Gipfel eine Weile genossen hatten machten wir uns wieder auf zur Talfahrt, um anschließend nach Sokcho zurückzukehren, von wo aus wir dann den Limousinenbus nach Seoul zurück nahmen.

Sightseeing in Seoul

Abgelegt unter: Sightseeing on Samstag, Oktober 22nd, 2005 by Ralf | Comments Off

Heute habe ich mich mal auf Sightseeing Tour in Seoul (Bilder gibt es auch schon) begeben und mir die historischen Paläste angesehen. Erstmal ging es mit der U-Bahn zum Sejong Art Center. Dort hab ich mir dann die Statue von Yi Sun-sin angeschaut, das ist sowas wie der koreanische Lord Nelson, er hat die Japansische Flotte besiegt. Gleich daneben ist das Kyobo-Building, da drin ist u.A. der größte Buchladen Koreas. Und der ist wirklich groß, man könnte bestimmt ein mittleres deutsches Kaufhaus mit den Büchern dort ausfüllen. Dort war unglaublich viel los, es war teilweise kaum ein Durchkommen zwischen den Regalreihen. Danach erstmal ein Mitagessen in einem typisch koreanischen Restaurant, KFC nämlich (das war kein Witz, hier stolpert man wirklich bald an jeder Ecke über einen KFC).

Nächster Programmpunkt war das Gwangwhamun-Tor (das Tor ist eigentlich doppelt, denn “Mun” heißt Tor). Auf dem Weg dorthin kam ich dann noch am Regierungsgebäude und am Außen- und Handelsministerium vorbei, die sehr gut bewacht waren, überhaupt war relativ viel Polizei mit Schilden und Schlagstöcken unterwegs, keine Ahnung was der Grund dafür war. Am Gwangwhamun angekommen hatte ich großes Glück, dass genau zu der Zeit der Wachwechsel stattfand, so dass ich dieses Schauspiel anschauen konnte. Davon gibt es sogar ein kleines Video (16MB, Quicktime-Format), allerding ist die Qualität etwas mau. Das Gwangwhamun ist das Tor zum Gyeongbokgung Palast, dem Hauptpalast der Cheoson-Dynastie. Er wurde zwar mehrmals zerstört, aber er wurde wieder aufgebaut. Der Eintritt war mit 3000 Won (etwa 2,50 Euro) echt günstig, also hab ich mir das Ganze von innen angesehen. War schon richtig imposant. Irgendwann haben mich vier koreanische Schüler angesprochen, ob sie mir für die Schule ein paar Fragen stellen durften. Natürlich wieder die üblichen Fragen hier (Woher? Wie lange schon da? Wie schmeckt das Essen?…), aber waren sehr nett.

Nach dem Gyeongbokgung-Palast bin ich dann in die U-Bahn um zur City-Hall zu fahren, da liegt nämlich ein anderer Palast, der Deoksugung-Palast. Eigentlich war die U-Bahn Fahrt unnötig wie ein Kropf, denn sie dauerte 15 Minuten mit Umsteigen. Später bemerkte ich, dass die City-Hall nur 500m vom Kyobo-Building entfernt ist, in der Zeit wäre ich da also auch locker zu Fuß hingekommen. Der Deoksugung ist etwas kleiner und diente nur als Ausweichpalast während der japanischen Besatzung. Eintritt war hier nur 1000 Won, also nichts wie rein. Die Palastanlage war auch sehr schön, aber wesetlich weniger imposant als der Gyeongbokgung. Allerdings gab es hier noch mehr zu sehen, nämlich das Seokjojeon-Gebäude (hier wurden Anfangs des 20. Jahrhundert ausländische Delegationen empfangen) und das National Museum of Contemporary Art. Im Seokjojeon war grade eine Ausstellung von traditionellen Handwerksarbeiten mit modernen Formen zu sehen. Absolut der Wahnsinn, was die Handwerker hier aus Lack und Perlmut alles machen können. Hier gab es Schatullen mit filigransten Einlegearbeiten aus Perlmut, wunderbare Tischchen aus Lack und extrem schlicht und modern gestaltete Tee-Gedecke.

Danach bin ich noch ins Museum of Contemporary Art gegangen, aber ich muss sagen, dass mir die zeitgenössische koreanische Kunst nicht so viel sagt. Das meiste waren schwarzweiße Kaligrafien oder Ähnliches. Die Gemälde waren ganz schön, aber wesentlich weniger “modern” als wir es in Europa gewohnt sind, sie waren außnahmslos gegenständlich.

Nach diesen ganzen Stationen waren meine Beine fix und alle und ich hab die U-Bahn geschnappt und bin heimwärts gen Bundang gefahren.