Das Team Building Event 2005

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Freitag, Oktober 21st, 2005 by Ralf | Comments Off


Wie schon angekündigt war ich jetzt zwei Tage auf dem Team Building Event (kurz TBE) 2005. Donnerstag Morgen ging es los, mit vier Bussen von Yongin brachen wir Richtung Hongcheon auf. Es ging erstaunlicherweise sehr flott voran (obwohl der Busfahrer einen relativ zivilisierten Fahrstil hatte) und wir sind schon nach zwei Stunden im Resort angekommen.

Die Fahrt war schon etwas surreal, wenn man deutsche Maßstäbe anlegt, der Bus war innen komplett mit einer Art Diskobeleuchtung (rot-grün-blaue Lichtschläuche und grün/orange Deckenbeleuchtung) verziert, die der Fahrer natürlich auch in ihrer vollen Pracht einschaltete. Dazu lief dann im Bord-Fernsehen irgendeine koreanische Gangsterkomödie, natürlich nur mit koranischem Ton und ohne Untertitel. Naja, irgendwann hatten wir dann genug davon und haben uns unsere eigene Unterhaltung gegeben, in Form von Musik aus den mitgebrachten MP3-Playern. Als wir im “Vivaldi Park” Resort ankamen (unglaublich, beinahe genau zeitgleich kamen auch die zwei Busse aus Seoul und die 14 aus Daejon an) herrschte große Verwirrung, wo wir denn nun genau hinmussten. Unser Busfahrer ist unglaubliche vier Mal den selben Weg hin- und zurückgefahren, ehe er dann mal einen der Parkwärter fragte, wo wir denn nun genau hinmussten.

Das Resort ist im Winter ein großes Skigebiet, entsprechend gab es hier eine ganze Menge an Liften und die Berge waren ziemlich steil und viele (wie die koreanische Ostküste sowieso sehr bergig ist). Landschaftlich war es im Resort sehr reizvoll, da die Blätter der Bäume wundervoll gelb und rot waren. Als wir am Hotel ankamen waren wir richtig beeindruckt, zum einen was das Aussehen (richtig gut) als auch die Größe (19 Stockwerke) anging. Also Schlüssel geschnappt (vielmehr hat das unser Room-Captain Michael gemacht) und auf in unser Zimmer. Uns das war Michael, Marco aus Daejon, mit dem wir schon in Gangnam unterwegs waren und meine Wenigkeit. Das “Zimmer” war eine Suite für fünf Personen, die laut Schild 350.000 Won (also um die 300 Euro) die Nacht kostet. Allerdings haben wir erstmal verzweifelt gesucht, wo denn die Tür zum Schlafzimmer ist, denn es waren keine Betten zu sehen… Als wir im Schrank eine Menge an Bettdecken und dergeichen fanden, ging uns ein Licht auf: Wir würden hier korean-style schlafen dürfen, d.h. auf dem Boden. Na prima, lernen wir das also auch mal kennen. Danach gab’s Essen und dann fing auch schon das Programm an.

Wir (also so etwa 800 Boschler, alle in den gleichen blauen Trainingsanzügen) haben uns dazu auf einem sandigen Feld (man könnte es Bolzplatz nennen) versammelt und durften den Einführungen unseres Moderators (irgendein halbwegs bekannter koreanischer Moderator einer Musiksendung) lauschen, die natürlich koreanisch war, wie unser Programmheftchen auch. Überhaupt war hier alles koreanisch. Man merkte schon, dass die Veranstaltung hauptsächlich auf die Arbeiter aus den Werken ausgerichtet war und weniger für die paar Expats. Also begann dann das eigentliche Team Building Event von Bosch Korea, oder “Boschi” wie man hier sagt. Das hängt wohl damit zusammen, dass die kreanische Sprache es nicht erlaubt, dass ein Wort auf “sch” endet, also müssen da noch Fülllaute dran. Und so begann dann ein Tag, an dem die einzigen Worte, die man verstand “Boschi” und “kamsa hamnida” (Danke) waren… Den Nachmittag sollten wir dann mit einer Art Spiel ohne Grenzen nur in der koreanischen Fassung verbringen, das heißt in Teams so eine Art Stafette aus verschiedenen Spielen durchziehen und versuchen möglichst schnell zu sein. Das Ganze ging ganz schön hart zur Sache, denn die Koreaner gingen ohne Rücksicht auf Verluste (oder Andere) zu Werke, um zu gewinnen. Bei einem Spiel wurde ich von einem Mitglied eines anderen Teams böse von hinten umgegrätscht, als ich grade dabei war wieder an das vordere Ende unserer menschlichen Brücke (immer zwei halten eine Stufe und ein Teammitglied muss da dann drüber laufen) zu laufen. Mein Knöchel tat zwar einigermaßen weh, aber auf sowas nimmt man hier keine Rücksicht, also hieß es weitermachen. Das Ganze war wirklich tierisch spaßig, obwohl es ziemlich rund ging und die meisten Koreaner (Arbeiter aus den Werken) kein Wort Englisch sprachen. Trotzdem hat unser Team ganz gut funktioniert, da die Verständigung mit Händen und Füßen ganz gut klappte.

Irgendwann war es dann Abend und es ging auf zum Essen. Es gab ein riesiges Buffet, an dem man sich frei bedienen durfte. Anscheinen trugen die Koreaner auch hier einen Wettbewerb aus, nämlich den, wer den Teller am höchten vollpacken kann. Ich habe dann mal auf die Teilnahme verzichtet und mir später noch nen Nachschlag geholt. Das Buffet bot mir dann die Gelegenheit auch mal etwas ausgefallenere Dinge wie Stachelrochen (schmeckt nach nicht viel, dafür war die Soße dazu höllisch scharf), Jellyfish, also Qualle (auch nicht groß im Geschmack), und Oktopus (etwas zäh) zu probieren. Dann ging auch schon die Show los. Moderiert wurde der Abend von einem bekannten koreanischen Komiker, der dem Stil nach ein Kopie von Thomas Gottschalk sein könnte. Die Show bestand zum einen aus Auftritten von koreanischen Künstlern, die hier wohl sehr bekannt sind und zu den nationalen Top-Acts gehören, die Koreaner konnten auf jeden Fall alle Texte mitsingen und gingen voll ab. Das Spektrum reichte da von New-Rock über einen koreanischen Yvonne Catterfeld-Verschnitt bis hin zur koreanischen Fassung von Eros Ramazotti. Das Ganze war wiederum so extrem laut, dass man im vorderen Drittel (da war mein zugeteilter Tisch) fast taub wurde. Wir haben schon im Scherz gemeint, dass nach laut, sehr laut und schmerzhaft laut dann wohl korean-style laut kommt. Der andere Part der Show waren Showeinlagen von Boschlern, die dafür wohl monatelang geübt haben mussten, da sie meistens extrem professionel aussahen und die Besten mit ganz hübschen Geldpreisen bedacht wurden. Nach der Preisverleihung ging es dann nochmal auf den Platz raus, wo dann noch ein koreanischer Bon-Jovi Verschnitt ein paar Schmachtlieder trällerte, was unsere Team-Assistentin Frau Lee in extatische Verzückung fallen lies (”he’s my favourite singer, he is soo handsome…”). Dazu hatten wir dann alle noch Kerzen in die Hand gekriegt un durften im Takt damit winken. Zu guter Letzt wurde dann noch eine große Polonaise über den ganzen Platz gemacht und ein kleines Feuerwerk wurde abgebrannt, nachdem aus den Kerzen der Schriftzug “Bosch” zusammengesteckt wurde. Für uns Europäer war das ganze teilweise schon etwas gewöhnungsbedürftig und in Deutschland hätte man einige sicher als zu dick aufgetragen betrachtet, aber hier war das ganz witzig und den Koreanern hat’s wohl sehr gefallen. Da der Abend noch verhältnismäßig jung war, sind wir dann noch mit einigen koreanischen Kollegen in’s Noraebang (koreanisch für Karaoke, heißt sowas wie Sing-Raum) gegangen und haben da dann drauflos geträllert. Das war ganz witzig, denn die Koreaner gingen dabei voll ab, unglablich wieviele Lieder die kennen. Aber selbst ich (so ziemlich das untalenierteste was es so im Bereich Gesang gibt) hab mich zu zwei Liedern hinreisen lassen und muss sagen, das hat tierischen Spaß gemacht, keinen Menschen kümmert es wie falsch man singt, Hauptsache die Performance (oder auf korea-englisch: “Pepomance”) stimmt. Um halb 2 Uhr hab mich dann in’s Zimmer begeben und es mir auf unseren harten Schlafgelegenheiten gemütlich gemacht, so gut es ging. Ich muss sagen, das Schlimmste war nicht der harte Boden, sondern das mit Reis gefüllte Kopfkissen, das doch sehr unangenehm war, weshalb es dann irgendwann mit Schwung an die gegenüberliegende Wand flog…

Für den zweiten Tag war eigentlich geplant, dass alle zum Hiking gehen, aber der über Nacht einsetzende Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also gab es als Alternativprogramm eine längere (wenn man kein koreanisch versteht sogar seeeeehr lange) Präsentation von verschiedenen Mitarbeiterbefragungen und Qualitätsprogrammen. Anschließend wurden dann noch einige nette Dinge verlost und Michael (hat ne Bohrmaschine gewonnen) und Doohae (ein nettes Blaupunkt Autoradio, fehlt nur noch das Auto dafür) hatten auch noch tierisch Glück. Nach dem Mittagessen wurde dann schon etwas früher zur Heimreise aufgebrochen.

Insgesamt waren die zwei Tage echt Klasse, in diesem Sinne: “kamsa-hamnida Boschi”.

Mein koreanischer Mitbewohner

Abgelegt unter: Leben in Korea on Mittwoch, Oktober 19th, 2005 by Ralf | Comments Off

Die letzten beiden Tage hatte ich einen koreanischen Mitbewohner in meiner Wohnung. Das ganze war ziemlich spontan und begann damit, dass unsere Abteilung am Montag einen neuen koreanischen Praktikanten bekommen hat. Er heißt Doohae (gesprochen “Duhä”) und stammt aus Pusan. Da sein Appartment noch nicht bezugfertig war und das erst heute wird, musste er sich ein Motel für zwei Tage suchen. Aus Gründen der Nähe beschloss er in Ori danach zu suchen und er hat uns dann im Bus begleitet. Wir verabschiedeten uns an der U-Bahn Station vor meinem Haus. Michael und ich wollten nochmal ein bißchen die Handyläden abklappern um unsere Telefone endlich aktiviert zu bekommen (vergeblich). Irgendwann am späten Abend liefen wir dann Doohae nochmal über den Weg und er erzählte uns, dass er noch kein Motel gefunden hätte. Tja, ich habe ja 1 1/2 Stockwerke und im oberen Teil meines Appartments ist auch noch eine Reismatte, also bot ich ihm an, bei mir zu übernachten, bis sein Appartment fertig wird. Er war ziemlich happy ‘ne Bleibe gefunden zu haben.

Also hab ich ihn dann mitgenommen. Er ist äußerst freundlich und wie es schien war das alles für ihn etwas viel (zum ersten Mal von den Eltern weg und dann noch in eine solche Megacity, wobei Pusan auch 5 Mio. Einwohner hat…). Am nächsten Morgen hat er dann Bekanntschaft mit dem europäischen Frühstück geschlossen und zum wohl zum ersten Mal Kaffee mit Toast gegessen. Der Instant-Kaffee war nicht so sein Ding, aber er versicherte auf die übliche freundliche Weise der Asiaten, alles sei “fine”. Heute hatte er heiße Schokolade zum Frühstück, war aber wohl auch nicht so sein Ding. Wir sind dann Abends mit ihm noch zum Galbi-Essen gegangen um seinen Einstand zu feiern, war echt nett.

Insgesamt war das eine tolle Gelegenheit die asiatische Denkweise kennenzulernen und hier Bekanntschaften zu schließen.

Morgen geht es dann für zwei Tage zum Bosch Team Bulding Event (TBE) nach Hongcheon. Wir haben ziemlichen Glück, denn dies bedeutet nicht nur zwei Tage frei, sondern auch einen Aufenthalt in einem netten Hotel und einiges an Aktivitäten. Das ganze findet alle zwei Jahre statt und soll den Zusammenhalt in der Firma stärken. Lustigerweise kommt die Forderung sowas zu machen anscheinend von den Gewerkschaften hier. Das Event ist generalstabsmäßig geplant und wird für alle Boschler in Korea (> 1000 Leute) gemacht. Wir haben bereits unsere Uniform (einen extrem tollen Reebok-Trainingsanzug, der laut Preisschild allein über 200 Euro kostet, und ein Polo-Shirt) bekommen und wurden auf die Busse und die Zimmer verteilt. Was sonst noch kommt ist geheim, aber angeblich soll es Abends dann noch ne Show mit einem bekannteren koreanischen Künstler geben. Lassen wir uns mal überraschen… Ich werde auf jeden Fall meine Kamera mitnehmen und alles dokumentieren.

Suraksan und Dongdaemun-Markt

Abgelegt unter: Sightseeing on Sonntag, Oktober 16th, 2005 by Ralf | Comments Off

Unser Ausflug in den Bukhasan-Park war uns nicht genug und so sind wir (wieder Michael und ich) heute nach Suraksan (ein wenig östlich des Bukhasan-Parks) gefahren um dort zu wandern. Laut Reisführer sei der Aufstieg auf den Suraksan (San heißt übrigens Berg) “relatively easy”… Wir sind erstmal mit der U-Bahn bis nach Danggogae gefahren (2 Stunden) und haben dort in einem kleinen Laden an der Straße was gegessen. Dann begaben wir uns auf die Suche nach dem Weg auf den Suraksan, denn der Reiseführer schwieg sich dazu aus. Wir haben uns ein wenig durchgefragt und sind dann schließlich auf einen kleinen Pfad gekommen, auf dem uns ab und zu ein anderer Wanderer entgegenkam. Kein Vergleich zu den Menschenmassen am Baekundae. Der Weg war auch ganz in Ordnung, ging zwar steil aber machbar bergan. Die Gegend war echt sehr idyllisch, man hatte einen schönen Ausblick in’s Tal. Am Weg war ein kleines buddhistisches Kloster, das sehr schön gestaltet war und einen kleinen Platz zum Rasten anbot.

Kurz danach stießen wir auf den Hauptweg, der auf den Suraksan führte. Plötzlich kamen uns wieder die schon von unserem letzten Ausflug bekannten Menschenmassen entgegen. Es ging auch schon wieder mächtig bergauf, teilweise musste man sich wieder an Seilen hochziehen, da hier der Boden sehr sandig und rutschig war. Wir erreichten dann nach einiger Zeit den Seitengipfel, von dem man einen wunderbaren Blick auf die Bukhasan-Berge und auf Seoul hatte. Nach einer kleinen Pause ging es dann zum eigentlichen Gipfel weiter. Hier wurde der Weg zusehens kriminell, uns fielen teilweise sogar Koreaner entgegen, die auf dem Weg ins Tal waren. Irgendwann kamen wir dann an eine Stelle an der man über eine extrem Steile und glatte Granitfläche weitermusste, und an der der Hilfsseil gebrochen war. Hier war für mich mit meinen Straßenschuhen (leider haben mir die günstigen Wanderschuhe im Carrefour nicht gepasst) dann kein weiterkommen mehr, mir fehlte einfach die Traktion. Also sind wir dann umgekehrt und wieder in’s Tal gegangen, aber auf einem anderen Weg (dem den alle Koreaner nahmen). Dieser führte nach Suraksan (diesmal eine Stadt), von wo wir mit der U-Bahn dann wieder Richtung Seoul aufbrachen, aber nicht ohne uns vorher noch mit Cola und Chips zu stärken (ein wenig westliche Dinge braucht man hin und wieder eben doch).

Da es noch nicht so spät war, entschlossen wir uns, noch kurz auf den Dongdaemun-Markt zu gehen. Der Markt hat seinen Namen vom Dongdaemun (Mun heißt Tor), einem großen Tor, das früher eines der Haupttore der Stadt war. Der Markt selbst ist eigentlich ein ganzes Viertel, laut Reiseführer besteht er aus bis zu 30.000 Läden und Ständen. Hier gibt es alles, was mit Kleidung und Schuhen zu tun hat. Alles ist extrem günstig, vieles ist jedoch für den westlichen Geschmack auch einfach nicht geeignet. Wir sind dann kurz über den Markt geschlendert und haben die Atmosphäre auf uns wirken lassen. Es ist eine unglaubliches Gewimmel in allen Gassen, unglaublich. Die Händler sind aber sehr freundlich und wenig aufdringlich, so dass man auch ganz ungestört über den Markt schlendern kann. Wir haben auch den neu angelegten Cheonggyecheon gesehen, einen kleineren Fluss, der sich seit Anfang Oktober 6km durch Seoul schlängelt und ein bißchen Erholung bieten soll. Nachdem wir einmal quer durch den Markt waren, kamen wir am Dongdaemun-Stadion (bekannt als Fußball- und Baseballstadion) vorbei, das aber sehr hässlich war, von außen eigentlich nur eine Betonmauer mit Flutlichmasten. Wir machten uns dann auf den Heimweg, da wir nun doch sehr geschafft waren.

Die Welt ist ein Dorf - Ein Abend in Gangnam

Abgelegt unter: Leben in Korea on Samstag, Oktober 15th, 2005 by Ralf | Comments Off

Freitag Abend und wir wollten uns mal so richtig in’s Seouler Nachtleben stürzen. Zuerst wollten wir nach Gangnam (das ist ein großes Geschäftsviertel in Seoul, in dem es Abends wirklich tausende Keipen und Bars gibt), genauer in die Andersen-Bar, eine Cocktail-Bar in der die Barkeeper anscheinend eine tolle Show mit Jonglage usw. bieten sollten. Anschließend wollten wir uns in den Clubs in Hongdae (das Gebiet um die Hongik Universtät) umschaun. Wir, das waren in diesem Fall die üblichen Praktikanten, verstärkt um einen unserer Kollegen aus dem technischen Verkauf (auch ein dt. Expat) und zwei seiner Bekannten, die bei Bosch in Daejon auch als Praktikanten arbeiten und auch Anfang Oktober angekommen sind.

Wir machten uns mit der U-Bahn auf den Weg nach Gangnam, was auch wieder so etwa 50 Minuten Fahrt bedeutete. Schon in der Bahn fiel uns eine koreaischer Rentner im Anzug auf, der wohl zu viel Soju getankt, das ist koreanischer Schnapps, hat etwa 20% und ist so ähnlich wie Wodka, nur etwas süßer, das Zeug wird hier in großen Mengen bei jeder Gelegenheit konsumiert, weil es extrem billig ist (ein 2cl. Glaß kostet unter 1 Euro). Es war lustig zu beobachten, wie sein Sitznachbar, ein Geschäftsmann mittleren Alters sich bemühte, dem Alten trotzdem die von den gesellschaftlichen Regeln gebotene Ehrfurcht dem Älteren oder Höhergestellten gegenüber entgegenzubringen und dessen Verhalten mit stoischer Ruhe ertrug.

Wir trafen die anderen dann in Andersen’s Bar, nachdem wir eine ganze Weile gesucht hatten, bis wir sie endlich gefunden haben, da hier alle Straßen sehr ähnlich aussehen, mit den ganzen Leuchtreklamen. Die Show dort war wirklich ziemlich cool, die Barkeeper jonglierten mit brennenden Flaschen und mixten so ihre Coktails. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei. Wir wurden dann von einer schon sehr angeheiterten (man hätte auch sagen können sturzbetrunkenen) Koreanerin, die ich mal so um die 30 schätze, angesprochen und länger in ziemlich schlechtem Englisch (ob’s am Alkohol lag?) zugetextet. Sie feierte da wohl mit einigen Kollegen den Geburtstag ihres Chefs und und war von uns Westlern total fasziniert. Durch ihren Alkoholspiegel war ihre Aufnahmefähigkeit doch sehr eingeschränkt und die 15. Frage wie man denn heiße, fing dann doch leicht an zu nerven, zumal man zu keinem richtigen Gespräch untereinander kam, da sie ständig einen von uns von hinten antippte. Irgendwann ging sie dann aber (die Koreaner sind anscheinend immer sehr schnell beim feiern, der Alkohol wird in größeren Mengen hinuntergestürzt und um 11 geht man dann nach Hause) und ließ uns in Ruhe. Dann kam der Hammer, wir unterhielten uns und stellten fest, dass sowohl der Kollege aus dem Verkauf, als auch seine beiden Freunde aus der gleichen Gegend wie ich stammen und in Deutschland nichtmal 15km auseinander wohnen. Die Welt ist echt ein Dorf!

Nach drei Cocktails haben wir dann beschlossen, die Location zu wechseln. Da uns der Weg nach Hongdae dann doch zu lang war und wir aufgrund der Uhrzeit zwei Taxen benötigt hätten, suchten wir und in Gangnam einen Club. Was sich als gar nicht so einfach rausstellte, da es hier wohl nur HipHop-Clubs und “Hofs” (das sind eine Art von Sauf-Hallen, warum die “Hof” heißen, keine Ahnung) gab. Also sind wir dann in’s “Noise Basement”, einen anscheinend ziemlich angesagten HipHop-Club gegangen (wer meinen Musikgeschmack kennt, weiß dass das normalerweise überhaupt nicht so mein Ding ist). Der Name war auch Programm, es war höllisch laut (in Deutschland wäre der Laden wohl schon zugemacht worden) und voll. Aber die Stimmung war sehr gut und wir haben uns dann unter die Menge gemischt und noch bis 5 Uhr morgens mit vielen koreanischen HipHop-Fans abgetanzt. HipHop scheint hier bei den Jugendlichen sehr beliebt und eine Art Rebellion gegen die gesellschaftlichen Regeln zu sein. Auf jeden Fall kann man hier sehr viele (vor allem männliche) Koreaner sehen, die sich von ihrer Kleidung und ihrem Verhalten vollkommen auf den Gangsta-Style eingestellt haben. Was aber auffällt ist, dass hier alles sehr friedlich abläuft, Schlägereien oder Streitereien konnten wir nirgendwo beobachten.

Um halb 6 haben wir dann die erste U-Bahn nach Hause genommen und sind um halb 7 dann endlich zuhause angekommen.

Ralf: Ein registrierter Alien

Abgelegt unter: Allgemeines, Leben in Korea on Freitag, Oktober 14th, 2005 by Ralf | Comments Off

So, seit heute bin nun also ein offiziell registrierter Alien. Zwar noch nicht mit Registrierkarte, aber die kommt nächste Woche noch. Sicher wird sich der eine oder andere fragen, was denn das bedeutet, deshalb hier die ganze Sache erklärt: Als Alien (also sowas wie ich) muss man sich in Korea registrieren lassen, wenn der Aufenthalt länger als die ohne Visum erlaubten drei Monate geht. Dazu begiebt soll sich der Alien in ein Immigration Office begeben, dort allerlei Formulare ausfüllen und wird dann registriert. So in der Theorie.

Heute also nun die Praxis: Michael und ich haben uns in’s Seoul Immigration Office aufgemacht. Also, erse Amthandlung: Passbilder machen (da brauchen die angeblich 3 Stück). Oh weia, ein koreanischer Fotoautomat, sahen die Bilder bescheuert aus, aber was erwartet man morgens in der Frühe. Danach erstmal wieder 2 Stunden mit der U-Bahn gefahren, dann an Omokyo-Station raus und nochmal 15 min. zu Fuß. Dann standen wir also vor dem Office. Wir also rein, unsere mitgebrachten (!) Formulare fertig ausgefüllt und ne Nummer gezogen (das ist hier wohl auch Kult, muss man sogar auf der Bank, wenn man ein Konto eröffnen will!) Und dann hieß es warten. Immerhin gab es einen Fernseher, so dass wir das Baseball-Spiel zwischen Houston und St. Louis live anschaun durften. Die meisten anderen Aliens hier sind übrigens aus China und anderen asiatischen Ländern, so dass wir selbst hier als Westler aufgefallen sind. Nach erfreulich kurzer Wartezeit (man hatte uns Schlimmes berichtet) ging man dann zum Officer (mit akurater Uniform) und gab ihm seinen Antrag, unseren Pass und allerlei Papierkram, den uns die Personalabteilung mitgegeben hatte (wohl der Handelreistereintrag, eine Bestätigung, dass wir wirklich auch arbeiten usw.). Der beäugte das ganze, schob mir das meiste des Papierkrams wieder rüber (bei Michael wurde alles behalten, komisch) und tippte in seinem Computer rum. Dann hieß es, ich solle in den Keller gehen und ne Wertmarke kaufen (warum ich ihm nicht gleich die 10000 Won geben konnte wissen nur die Götter) und dann wiederkommen solle. Also, gesagt getan. Naja, dann gings vollends fix, bekam den Abholschein und war damit durch.

Dann wieder 2 Stunden Rückfahrt… Aber wir mussten ja noch zur Arbeit. Auf dem Weg dahin geschah ganz absonderliches: Plötzlich blieb der Bus und alle anderen Autos stehen (gut, Staus kennt man ja schon, aber der war anders), nichts ging mehr. Das ging ne ganze Weile so, dann erklärte uns ein junger Koreaner das sei “military training”, und das fände “once a month” statt. Man übt also den bösen Angriff aus Nordkorea durch riesige Staus aufzuhalten, oder so ähnlich… Irgendwann gab es dann ein Sirenensignal und es ging wieder weiter. Der Busfahrer war reichlich genervt und hat voll Gummi gegeben. Irgendwie schienen ihm die vier Spuren in unsere Richtung nicht zu genügen, so dass er für die paarhundert Meter bis zur Ausfahrt ne fünfte Spur aufmachte, indem er einfach eine der entgegenkommenden umfunktionierte. Keine Panik, das passiert hier ständig und wird als ganz normales Verhalten im Strassenverkehr angesehen.

Der Einkaufs-Wahnsinn

Abgelegt unter: Leben in Korea, Sightseeing on Sonntag, Oktober 9th, 2005 by Ralf | Comments Off


Heute habe ich mir ein Handy gekauft, da in Korea keine GSM-Telefone funktionieren. Und wo macht man das hier am besten und günstigsten? Man fährt entweder auf den Yongsan Elektronik Markt (der größte Markt für Elektronik jeder Art auf der Welt, mit etwa 5000 Läden) oder in den TechnoMart (der ist etwas kleiner, aber mit 2000 Läden dennoch riesig). Da der TechnoMart wesentlich schneller von Bundang aus zu erreichen ist, hab ich mich also dorthin aufgemacht. Nach nur 2 mal umsteigen und 50 min Fahrzeit bin ich dann davorgestanden. Ein riesiger Einkaufstempel. Und als ich drinnen war ist mir die Kinnlade etwa auf Knieniveau geklappt, so groß war das Ganze. Aber seht auf den Bildern selbst.

Im Erdgeschoss gibt es Spielhallen ohne Ende und eine ganze Reihe an Läden für Kosmetik (was die da suchen hab ich nicht ganz verstanden, vielleicht kann der technikbegeisterte Koreaner da seine Frau abgeben, wie im Kinderland?). Im 1. Stock geht es dann richtig los. Hier gibt es 3 Stockwerke nur mit kleinen Läden (eigentlich ja Ständen, die aus einem Verkaufstresen und einigen Schränken als Lager im hinteren Bereich bestehen) für Digitalkameras, MP3-Player und Flachbildfernseher. Darüber dann ein Stock voll mit Handys. Und darüber dann wieder 2 Stockwerke PCs und Bauteile. Weiter oben dann noch 2 Stöcke mit CDs, DVDs, Computerspielen usw. Ganz oben dann noch ein großes Multiplexkino und eine Aussichtsplattform. Naja, wie gesagt ich wollte ein Handy, was sich als durchaus schwierig herausstellte, da auf dem ganzen Stock mit den Handyläden (bestimmt an die 300) ein englischsprechender Verkäufer gefunden werden musste. Dann wollte ich ja nicht arm werden und nur ein gebrauchtes Telefon erstehen, was die Sache dann nochmals etwas komplizierter machte. Eine halbe Stunde später hatte ich dann bestimmt 50 Läden durch, entweder sprach man kein Englisch oder die waren zu teuer. Irgendwann hab ich nen netten Verkäufer gefunden, der ein wenig (auf typisch Koreanische Art durch zeigen mit Daumen und Zeigefinger signalisiert, wobei da viel Understatement mitspielt) Englisch konnte. Schnell war auch ein Telefon gefunden, das aber preislich noch etwas hoch lag, also war ein wenig Feilschen angesagt. Ich habs dann im Endeffekt für 60000 Won (bißchen weniger als 50 Euro) gekriegt. Woebei ich gar nicht wissen möchte, was ein Koreaner da noch rausgehandelt hätte. Das Ding ist ein Jahr alt und hat ne VGA-Kamera, Farbdisplay und auch sonst noch ne Menge Schnickschnack, den ich nicht brauchen werde, aber den die Asiaten lieben. Jetzt muss ich mir nur noch morgen einen Prepaid-Zugang (SIM-Karten gibt es hier nicht, die Nummern sind mit den Telefonen verbunden) beschaffen, mal sehen ob da einer Englisch kann.

Ach ja, ich hab noch ein Paar Fotos von Ori/Bundang (da wohne ich) geschossen. Das Haus, in dem sich meine Wohnung (mit 671 weiteren) befindet, heißt PosVille. Und nein, das Bild mit den vielen Türen, das ist kein Gefängnis, das ist der Flur auf dem ich wohne. Sieht ziemlich trist aus, dafür machen die hochmodernen Türschlösser (zu öffnen per PIN, Kontaktloser Chipkarte oder ganz profan per Schlüssel) beim öffnen uns schließen lustige Musik.

“Germany is super” und warum koreanische Berge anders sind als die deutschen

Abgelegt unter: Sightseeing on Samstag, Oktober 8th, 2005 by Ralf | Comments Off


Heute wollten wir einen Ausflug in den Bukhansan National-Park machen. Der liegt nordöstlich von Seoul und ist das bevorzugte Wandergebiet der Stadtbewohner. Die Lage nordöstlich heißt aber auch, dass wir einmal quer durch Seoul mussten um dort hin zu gelangen. Dank Metro und Bus ist das kein Problem und geht wenn alles gut läuft in etwa 2 1/4 Stunden. Also ab in die Metro.

Kaum standen wir in der Metro, sprach uns ein älterer Einheimischer an, ob wir Amerikaner wären (Das ist die Standardfrage hier, für die Koreaner sehen alle Westler gleich aus und da die meisten hier Amis sind, wird eben erstmal nachgefragt). Als er hörte, dass wir aus Deutschland kämen, war kein halten mehr (Die Amerikaner sind nicht sehr beliebt, da es mit ihnen oft Ärger gibt, wie wir hörten). Er sei auch schonmal in Deutschland gewesen, in Frankfurt und Heidelberg, sei ein “very nice country”. Erstmal wurden wir zu unserer Ausbildung, warum wir in Korea seien und ob es uns denn gefallle gefragt (das macht jeder Koreaner, da er versucht das Gegenüber in die gesellschaftliche Hierarchie, die wohl große Bedeutung hat, einzuordnen). Dann erzählte er uns, dass er Philosophie studiert hätte und die Deutschen so viele tolle Philosophen hätten (er zählte alle die man halt auch bei uns so kennt auf) und nicht zu vergessen “Gete” (wir merkten später dass er Goethe meinte) und Bach und und und. Das Ganze ging viele Stationen und einen Umstieg (er musste auch in unsere Richtung) weiter so. Er sagte dauernd, wie toll doch Deutschland und die Deutschen seien, “Germany is super”. Verwundert nahmen wir zur Kenntnis, dass auch hier ein gewisses Wissen (wesentlich mehr als bei uns über Korea!) über Deutschland vorhanden war.

Nach fast 3 Stunden in Metro und Bus kamen wir dann am Parkeingang an (zusammen mit hunderten anderen Koreanern). Wir wunderten uns erst, dass die Einheimischen alle mit tollen Wanderstiefeln, Wanderklamotten und Stöcken bewaffnet (wir dachten das sei eine Art des Angebens) auf den leicht ansteigenden Beton-Weg in den Park gingen. Wir wollten wie die meisten zum Gipfel des Baekundae, des höchsten Berges in der Nähe von Seoul, mit etwa 834m, ein Weg von etwa 4,5km laut Reiseführer. Eigentlich ja nicht hoch dachten wir, und liefen munter drauf los. Der Weg führte erst durch eine kleine Einkaufsstraße mit Läden für Wanderbekleidung ehe es in den Wald ging. Sanft ansteigend schlängelte sich der Betonweg bis zum Daeseomun-Tor, einem der Tore, die in der Festungsmauer einer alten Festung, die den ganzen Park durchzieht liegen. Hier ist dann der richtige Beginn der Wanderung. Der Weg führte weiter etwas bergan bis zu einem kleinen Dörfchen, das nur aus Essensbuden und kleinen provisorischen Restaurants bestand (das ganze auf etwa 1/3 der Entfernung zum Gipfel). Hier begann der Weg schlagartig steiler zu werden (wie wir später Erfahren haben sind hier wohl fast alle Berge so) und bestand nur noch aus Steinstufen (wohl einige Tausende) über die man sich seinen Weg bergauf suchen musste. Ich hatte nur Straßenschuhe an und dachte, naja wird schon gehen. Dies sollte sich rächen. Der Weg wurde immer steiler und die Stufen immer höher. Aber man kämpfte sich weiter. Zwischendurch gab es immer wieder kleine buddhistische Heiligtümer und kleine Quellen, war sehr schön. Etwa 50 Höhenmeter unter dem Gipfel befindet sich ein Teil der alten Festung, von wo man einen sehr schönen Blick auf das Tal und auf der anderen Seite auf Seoul hat. Dort war für mich mit meinen Schuhen dann Endstation, nichts ging mehr, sowohl vom Weg her, als auch von meinen Oberschenkeln. Also blieb ich dort kaputt zurück und Michael (anderer Praktikant bei RBKR und mein einziger Bukhasan-Begleiter, da die anderen beiden (wohlweißlich) keine Lust hatten) stieg zum Gipfel weiter.

Die Koreaner stürmten da selbst mit kleinsten Kindern (auf die wird keine Rücksicht genommen, Papi stiefelt da stramm voran und die Kleinen müssen mithalten) weiter in einem atemberaubenden Tempo den Berg hoch, macht wohl die jahrelange Übung. Die Koreaner sind irgendwie alle tollkühn oder haben Todessehnsucht, wenn man so sieht wo die alles hinsteigen. Gegenüber der Festung gab es einen großen Felsen (20m hoch oder so), der abgesperrt war, da zu gefährlich. Ich konnte mehrere Gruppen von hauptsächlich älteren Koreanern beobachten, die da ohne Sicherung und Rücksicht auf Verluste hochstiegen und man jeden Moment damit rechnen musste, dass sie gleich 20m weiter unten am Fuße der senkrechten Wand liegen. Auch oben am Gipfel stiegen sie an die unmöglichsten Stellen hin, echt Wahnsinnige. Die Aussicht vom Gipfel muss toll gewesen sein, man hat quasi ein 360° Panorama zu überblicken und sieht wohl ganz Seoul (Bilder dazu werden nachgereicht, wenn ich sie von Michael bekomme).

Der Abstieg war etwas leichter als der Aufstieg, ging aber tierisch auf die Gelenke. Glücklich und Fix&Foxi kamen wir dann unten wieder an (4h später), noch 2 1/2 Stunden Fahrt nach Hause vor uns. Wir haben uns dann mal ausgerechnet, dass das fast 750 Höhenmeter waren, da Seoul auf etwa 90m über dem Meeresspiegel liegt, und das auf knappen 4km Weg, ziemlich heftig. Nächstes mal werden wir bestimmt keinen koreanischen Berg mehr unterschätzen. Trotzdem war es ein sehr schöner Ausflug. Die Bilder sind auch schon online.

Auf der Rückfahrt wurden wir im Bus von einem Koreaner auf fließend Deutsch (ohne Akzent!) angesprochen, woher in D wir denn seien. Er hätte in Tübingen studiert. Also hat man sich dann wieder eine 3/4 Stunde unterhalten. Es stellte sich heraus, dass er dort Geschichte studiert hatte und dass sein Freund, der mit ihm gewandert war und nur Englisch sprach, sogar Professor für Geschichte war. Nach den üblichen Fragen zu Herkunft, Ausbildung und Grund des Aufenthalts wurde uns wieder in allen Details erzählt, wie sehr sie Deutschland doch mögen. Sie erklärten uns auch gleich, dass wir auf der Herfahrt einen Umweg gemacht hätten und wie es viel schneller ginge. Der Professor musste sogar auch in unsere Richtung (eine Haltestelle zuvor) und hat uns begleitet und uns viel über Seoul usw. erzählt. Als dann im Bus nach Bundang noch meine Wertkarte streikte (warum auch immer, am morgen hatte ich sie noch aufgeladen), und ich nur noch 10000 Won-Scheine (Busfahrer können hier nicht auf Scheine rausgeben) dabei hatte, hat er mir einfach die Fahrt (für hiesige Verhältnisse recht teuer, 1 Euro für eine Fahrt von einer Stunde Dauer) bezahlt und war auch nicht zu Überreden, das Geld zurückzubekommen. Zum Abschied gab er uns einfach seine Visitenkarte (in Korea ein essentielles Utensil, wenn man das Haus verlässt, auch wegen der Einordnung in die Hierarchie) und meinte, wir sollten ihm doch eine e-Mail schreiben, dann könnte man mal zusammen zum Wandern gehen (das wäre so in D wohl nie passiert).

Total kaputt sind wir dann nach 2 1/2 Stunden wieder angekommen und haben uns immer noch über die Koreaner gewundert.

Erster Arbeitstag

Abgelegt unter: Allgemeines, Leben in Korea on Mittwoch, Oktober 5th, 2005 by Ralf | Comments Off

Gestern waren wir noch koreanisch Essen, Samgyeopsal für vier Personen (für alle Nicht-Insider, das ist Schweinebauch auf dem Tisch mit allerlei Beilagen über einer Gasflamme gegrillt und anschleßend in Salat-, Kohl- und sonstwas-Blätter eingewickelt) war echt lecker, aber mit 9000 Won pro Person auch nicht ganz billig. Dazu haben wir uns ein Cass-Beer gegönnt, um mal zu schaun, wie koreanisches Bier denn so ist. Nicht wirklich schlecht, ein bißchen wässrig, aber ganz ok. Insgesamt ist das koreanische Essen echt lecker, manchmal dürfte es etwa weniger Knoblauch sein, aber sonst ist es wirklich schmackhaft. Auch vond er Schärfe her noch zivilisiert, bisher hat eigentlich alles noch nach etwas anderem als nur scharf geschmeckt.

Heute war also mein erster Arbeitstag. Aufstehen hat trotz einiger Probleme beim Einschlafen (Jetlag + Zickaden sind schlecht) doch ganz gut geklappt. Die Arbeit beginnt auch einigermaßen menschenfreundlich um 8.30 Uhr. Die Busfahrt dauert auch nur 10 Minuten und der Bus hält auch direkt vor dem Haus (obwohl da keine Haltestelle ist, aber die Busse halten auch auf Zuruf bzw. Winken an). Tja, dumm nur, dass es noch gar nichts für mich zu tun gab, der Chef ist diese Woche in Urlaub, seine Assistentin auf SAP-Schulung in Deutschland, und keiner weiß, wer mein Betreuer ist. Gibt also erstmal nicht viel zu tun. Immerhin kann ich mich schonmal in die Unterlagen und Dokumentation meines Vorgängers einarbeiten, so dass ich nicht ganz gelangweilt rumsitze.

Mittagessen war ich heute im Lotte-Mart. Das ist ein gigantischer Universal-Markt, in einer Größe, dass man bei uns locker zwei große Einkaufscentren draus machen könnte. Der Carrefour vor meiner Haustür ist ja schon groß, aber dagegen echt ein Witz. Neben Einkäufen aller Art zu erledigen kann man da auch Essen und das sehr günstig. Ich hatte ein Tonkatsu (so in etwa ein japanisches Schnitzel), das neben den üblichen Side-Dishes mit einer großen Nudelsuppe serviert wurde, und das für unter 5 Euro.

Ein koreanischer Kollege kannte sogar Stuttgart, weil er immer Champions-League anschaut, und der VfB ganz toll fand.

Die Arbeitszeiten sind eigentlich auch Ok, um 18 Uhr bin ich gegangen, inkl. der allseits praktizierten ausgiebigen Kaffepause nachmittags ergibt sich also wohl ne 40 Stundenwoche.

So, das solls für heute gewesen sein.

Angekommen

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Mein Trip war nach dem Flug noch nicht vorbei, es ging dann noch mit dem Limousinen-Bus zwei Stunden um Seoul herum nach Bundang, wo mich mein zukünftiger Praktikantenkollege Sascha erwartete. Der Bus wurde seinem Namen voll gerecht, mega komfortabel und bequem, eine Wohltat nach dem Flug. Beim ersten Kontakt mit den koreanischen Autobahnen zeigte sich, dass die wohl grundsätzlich mindestens 4 Spuren pro Richtung haben müssen und dass die Busfahrer am schnellsten und riskantesten Fahren (die Warnungen der Reiseführer darf man also getrost ernstnehmen). Auf der Fahrt zeigte sich, dass “der Koreaner an sich” dazu neigt in Produktlinien zu denken und weil es so schön ist, nicht nur ein Hochhaus von einer Sorte zu bauen, sondern gleich zwanzig oder dreisig nebeneinander, die komplett gleich aussehen. Damit man sie unterscheiden kann wird einfach auf die Seite eine groooße Zahl drangemalt, und es ist sicher schön im Terracotta-Roten Hochhaus mit der Nummer 3041 zu wohnen. Außerdem fällt auf den Autobahnen auf, dass es fast nur Koreanische Autos gibt (wobei einige doch wie schlechte Kopien eines BMW oder Mercedes Benz aussehen). Einzige Außnahme sind Mercedes E- und S-Klasse, die wohl zu Repräsentationszwecken da rumfahren.

Naja, so gegen 12.30 Uhr bin ich dann in Bundang, Ori-Station angekommen und hab auch gleich meinen Kollegen gefunden. Praktischerweiße liegt meine Wohnung genau bei der Bushaltestelle, so dass ich nur eine Treppe hochmusste. Meine Wohnung liegt in einem 8-Stöckigen Appartmentkomplex, in dem einfach so auch die Wohnungen geklont wurden, alle gleich. Ich hab die mit der Nummer 329 abgekriegt. Schon beim betreten des Gebäudes staunt man nicht schlecht, alles mit schwarzen Granit verkleidet, die Aufzüge sprechen mit einem, die Türen können wahlweise per Schlüssel, Zahlencode oder kontaktloser Chipkarte geöffnet werden, alles sehr edel. Auch meine Wohnung hat mich echt überrascht, sie ist wirklich sehr schön, und mit allem was man so braucht (Klimaanlage, Fernseher, Telefon, Breitbandinternet, Waschmaschine, Trockner, Glaskeramikkochfeld, Toaster, Reiskocher etc.) ausgestattet. Bilder hierzu gibt es auch schon.

Eben war ich noch kurz beim Carrefour gegenüber und hab mich mit dem Nötigsten für den leeren Kühlschrank versorgt, da gibt es echt alles. Heute Abend gehe ich mit meinen drei Praktikantenkollegen aus der gleichen Abteilung gemeinsam essen.

Und morgen ist mein erster Arbeitstag…

Der Flug nach Incheon

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Am 3. Oktober ging es also los. Erstmal von Stuttgart nach Amsterdam und von da aus dann weiter nach Seoul. Sicher mag sich der eine oder andere fragen, warum ein Zwischenstop in Amsterdam. Das hat zwei Gründe, zum einen ging es schneller als ein ICE-Transfer nach Frankfurt, zum anderen war KLM schlicht am günstigsten, was den Preis angeht. Also erstmal mit einer wahnsinnig engen KLM Cityhopper (Fokker 70) im verregneten Stuttgart gestartet. Der Flug war zum Glück nur eine Stunde lang, so dass es sich doch aushalten lies. Nach Frankfurt rissen sogar die Wolken auf, so dass man einen wirklich schönen Blick nach unten hatte. Der Anflug auf Schiphol war etwas abenteuerlich. Man saußt in gefühlten 10m Höhe über Millionen von Gewächshäußern hinweg und fürchtet, demnächst sein feuchtes Grab inmitten von echten Hollandtomaten (TM) zu finden. Der Pilot hat es dann doch irgendwie geschaft, die Landebahn zwischen all den Gewächshäußern zu finden und hat eine butterweiche Landung hingezaubert. Nun gut, ich war schon vorher gewarnt, dass die Cityhopper ganz gern mal am hintersten Ende des Airports abgestellt werden, so auch dieses mal. Es war dann also auch nur eine kleine Busfahrt und der “kurze” Weg von Terminal B nach Terminal F (ich dachte ich muss wieder nach Deutschland laufen, bis ich am Terminal ankommen) zu absolvieren und ich saß im Warteraum für den Flug nach Seoul/Incheon.

Diesmal hatte ich mit dem Sitz nicht nur kein Glück, es kam dann auch noch Pech dazu, kurz und gut, Sitzreihe 39, oder plastisch ausgedrückt, hinteres Drittel der Tragfläche, null Sicht nach unten. Dafür konnte ich aber den Landeklappen und Spoilern 1a bei der Arbeit zuschaun. Platzmässig bot die 747-400 schon etwas mehr aber das relativierte sich dann auch nach ein paar Stunden, zumindest vom Gefühl her. Das On-Board Entertainment war ganz Ok, erst wurde man mit “Madagaskar” beglückt, danach kam “Mr. und Mrs. Smith” und irgendwann um 3 oder 4 Uhr Ortszeit dann noch “Batman Begins”. Nach Madagaskar versuchte ich ein bißchen Schlaf zu kriegen, allerdings war dies ein heilloses Unterfangen, da die räumliche Nähe zu den Triebwerken schon für ein gewisses Lärmniveau sorgte, das jegliche Einschlafbemühungen zu einer harten Aufgabe machte. Also weiter Flime geschaut. Batman war dann doch so öde, dass ich irgendwo über dem Ural einfach die Augen zugemacht und ein paar Stündchen gedöst habe. Dann hatte KLM noch ein besonderes Schmanckerl für die Gäste der Economy-Class in Petto, zum Frühstück gab es eine Pizza-Tasche mit Käse und einem Omelette (wohlgemerkt alles in einem!), das wollte ich mir nun wirklich nicht antun, zum Glück gab es noch einen Erdbeerjoghurt und eingelegte Ananasstücke dazu. Nach etwa 8500km und 9 1/2 Stunden (dank günstiger Winde) sind wir dann in Incheon gelandet. Incheon ist der neue Airport von Seoul und ich muss sagen, der ist echt klasse. Alles sehr übersichtlich, geschmackvoll und edel eingerichtet, freundliches Personal, da könnten sich die anderen Airports meiner Reise eine dicke Scheibe von abschneiden.